Auf dem Weg zur marktkonformen „Demokratie“

Am 01.09.2011 gab Merkel zusammen mit ihrem portugiesischen Darling Coelho eine Pressekonferenz. Coelho hatte gerade die Parlamentswahl gewonnen und machte sich nun daran, die Forderungen nichtportugiesischer Institutionen gegenüber seinem Volk durchzusetzen. Natürlich ist Portugal offiziell eine Demokratie, und damit bestimmt theoretisch das vom Volk gewählte Parlament und nicht der Gläubiger. In dieser Pressekonferenz machte Merkel eine Aussage, die ganz kurz ihr wahres Gesicht zeigte.

Sie sagte: „Wir leben ja in einer Demokratie und sind auch froh darüber. Das ist eine parlamentarische Demokratie. Deshalb ist das Budgetrecht ein Kernrecht des Parlaments. Insofern werden wir Wege finden, die parlamentarische Mitbestimmung so zu gestalten, dass sie trotzdem auch marktkonform ist“

Diesen Satz muss man ein paar Mal lesen und auf sich wirken lassen, damit diese Ungeheuerlichkeit darin klar wird. Wenn Parlament und „Märkte“, letzteres sind nichts als die Interessen von Großinvestoren, nicht einer Meinung sind (ausgedrückt durch das „trotzdem“), dann muss sich das Parlament dem Markt unterordnen. Was Merkel dort fordert ist letztendlich eine Scheindemokratie, die nur noch in den Bereichen stattfindet, in denen die Interessen derjenigen, die offensichtlich über Staat, Regierung und Parlament stehen, nicht berührt werden. Und wo wir schon über Interessen von Investoren reden, in der gleichen Pressekonferenz sagte Merkel:

„Auch deutsche Unternehmen haben sicherlich Interesse, wenn es um die Privatisierungsprogramme Portugals geht.“

Dafür hat Merkel sich mit Coelho getroffen. Natürlich in Berlin, nicht in Portugal, damit klar ist, wer Koch ist und wer Kellner. Coelho hat seitdem brav den neoliberalen Ausverkauf seines Landes weiter bedient. Wir müssen uns vor Augen halten, dass Großinvestoren Investitionen, deren Rendite nicht im zweistelligen Bereich liegt, schlicht ignorieren. So maßlos vor zehn Jahren Ackermanns Ziel einer 25-prozentigen Eigenkapitalrendite schien, so normal ist dieses Ziel in der Welt der großen Investoren.

Das Problem ist nur, dass die Wirtschaft in der westlichen Welt kaum noch wächst, und auch die Weltwirtschaft wächst nur um wenigen Prozentpunkte. Längst sind die Zeiten vorbei, in denen allgemeines Wirtschaftswachstum genügend Überschüsse bot, um sowohl die Renditeinteressen der Großen als auch einen steigenden Lebensstandard der Kleinen zu bedienen. Längst sind wir an einem Punkt, wo sich unser Wirtschaftssystem gegenseitig kannibalisieren muss, damit zweistellige Renditen gesichert werden können. Wir wissen, dass die drei wesentlichen Arten von Akteuren in unserer Wirtschaft die Unternehmen, der Staat und die Privathaushalte sind. Damit ist also klar, wem sich die Unternehmen zur Beute machen müssen, um weiter zu wachsen: Staaten und deren Bürger.

Nichts anderes passiert in Portugal. Staatliche Betriebe werden privatisiert, die Löhne und Renten der Bürger werden gestutzt. Natürlich wird Portugal sich mit diesen Maßnahmen nicht erholen. Aber das ist nicht Zweck der Übung, Portugal soll nicht satt werden, sondern Portugal ist die Mahlzeit. Eine der Mahlzeiten.

Eine andere ist Griechenland. Als Anfang des Jahres Griechenland eine neue Regierung gewählt hat, hat diese es sich zur Aufgabe gemacht, nicht klein beizugeben, während Griechenland ausblutet, sondern griechische Interessen aktiv zu vertreten. Finanzminister Yanis Varoufakis war angetreten, um mit Sachverstand eine einvernehmliche Lösung zu finden. Damals wusste Yanis nicht, dass es eben nicht darum geht, Griechenland zu helfen.

Heute ist er schlauer. In einem Interview nach seinem Rücktritt (hier die deutsche Übersetzung) gibt er einen Einblick darüber, wie in „Verhandlungen“ versucht wurde, das widerspenstig wählende griechische Volk zu bezwingen. Sein Versuch, einen inhaltlichen Konsens zu finden, wurde nie akzeptiert, weil er nicht Teil des Drehbuches war:

„Nicht, dass es nicht gut angekommen wäre – es gab schlicht eine völlige Weigerung, wirtschaftlich zu argumentieren. Völlig … Man bringt ein Argument vor, an dem man wirklich gearbeitet hat – um sicher zu sein, dass es logisch schlüssig ist – und dann schaut man in leere Gesichter. Es ist, als hätte man nichts gesagt. Was man sagt ist unabhängig von dem, was sie sagen. Man hätte ebenso gut die schwedische Nationalhymne singen können – das hätte die gleiche Antwort erhalten. Und das ist irritierend, für jemanden, der an akademische Debatten gewöhnt ist… Die andere Seite engagiert sich immer. Nun, da gab es gar kein Engagement. Es war noch nicht einmal Beleidigt sein, es war, als hätte niemand etwas gesagt.“

Es geht um keine Lösung für Griechenland. Es geht darum, dass sich die griechischen Volksvertreter den „Märkten“ unterordnen. Über Schäuble, Merkels rechte Hand bei der Umsetzung von marktkonformer „Demokratie“ in Südeuropa, sagt Yanis:

„Schäuble war durchweg stimmig. Seine Sicht war, „Ich diskutiere das Programm nicht – es wurde von der vorhergehenden Regierung akzeptiert, und wir können es unmöglich erlauben, dass Wahlen irgend etwas ändern. Denn wir haben die ganze Zeit Wahlen, es gibt 19 von uns, wenn immer bei einer Wahl sich etwas ändern würde, dann würden die Verträge zwischen uns nichts bedeuten.“
Also an diesem Punkt musste ich aufstehen und sagen, „Nun, vielleicht sollten wir einfach in den Schuldnerländern keine Wahlen mehr abhalten,“ und da gab es keine Antwort. Die einzige Deutung, die ich [ihrer Sicht] geben kann, ist, „Ja, das wäre eine gute Idee, aber schwierig umzusetzen. Also entweder Sie unterschreiben auf der gepunkteten Linie, oder Sie sind raus.“ “

An der griechischen Regierung sollte ein Exempel statuiert werden. Verhandlungen sind nicht vorgesehen, das griechische Parlament hat abzunicken, was ihm vorgegeben wird. Dazu wurden die Griechen mit ziellosen Verhandlungen mürbe gemacht:

„Schauen Sie, mein Vorschlag von Anfang an war dieser: Dies ist ein Land, das auf Grund gelaufen ist, schon vor langer Zeit auf Grund gelaufen… Sicher müssen wir dieses Land reformieren – darüber waren wir uns einig. Weil Zeit bedeutend ist, und weil die Zentralbank während der Verhandlungen Druck auf die Liquidität ausübte, um uns unter Druck zu setzen, damit wir unterliegen, war mein ständiger Vorschlag an die Troika sehr einfach: kommen wir über die drei oder vier wichtigen Reformen überein, über die wir übereinkommen können, wie das Steuersystem, die Mehrwertsteuer, und die sofort umsetzen. Und Sie nehmen die Liquiditätsbeschränkungen der EZB zurück. Sie wollen eine umfassende Übereinkunft – verhandeln wir weiter – und in der Zwischenzeit bringen wir die Reformen ins Parlament, bei denen wir uns einig sind.
Und sie sagten, „Nein, nein, nein, das muss eine umfassende Überprüfung sein. Nichts wird umgesetzt, wenn Sie es wagen, irgendwelche Gesetze auf den Weg zu bringen. Das wird als einseitige Handlung betrachtet werden, die sich feindselig gegen den Prozess richtet, zu einer Übereinkunft zu kommen.“ Und dann, einige Monate später, plaudern sie den Medien gegenüber aus, dass wir das Land nicht reformiert hätten, und dass wir Zeit vergeuden würden! Und so … wurden wir in eine Falle gelockt.“

Auch das muss man zweimal lesen. Während die EZB langsam den Geldhahn zugedreht hat (der für alle anderen weit offen steht), wird einer demokratisch gewählten Regierung unverholen gedroht, ja nicht alleine in ihrem Land tätig zu werden, um ihr dann hinterher Untätigkeit vorzuwerfen. Während also der demokratische Prozess bewusst blockiert wird, werden Entscheidungen von Gremien getroffen, die keinerlei Legitimation unterliegen:

„Es gab einen Augenblick, als der Präsident der Eurogruppe beschloss, gegen uns vorzugehen und uns tatsächlich ausschloss, und es bekannt machte, dass Griechenland eigentlich auf dem Weg aus der Eurozone hinaus war…Es gibt die Sitte, dass Veröffentlichungen einstimmig sein müssen, und der Präsident kann nicht einfach ein Treffen der Eurozone einberufen und ein Mitgliedsland ausschließen. Und er sagte, „Oh, ich bin sicher, dass ich das tun kann.“ Für 5-10 Minuten wurde das Treffen unterbrochen, Angestellte, Funktionäre redeten miteinander, am Telefon, und irgendwann sprach mich ein Funktionär, irgendein Rechtsexperte, an, und sagte Folgendes, dass „nun, die Eurogruppe gibt es juristisch nicht, es gibt keinen Vertrag, der diese Gruppe einberufen hat.“
Also wir haben eine nicht existierende Gruppe, die die größte Macht hat, das Leben der Europäer zu bestimmen. Sie ist niemand Rechenschaft schuldig, da sie juristisch nicht existiert; es werden keine Aufzeichnungen erstellt; und sie ist vertraulich. Also kein Bürger weiß jemals, was dort drin gesagt wird… Das sind Entscheidungen über Leben und Tod, und kein Mitglied ist irgend jemand eine Antwort schuldig.“

In den letzten Tagen haben sich in Griechenland die Ereignisse überschlagen. Trotz eines klaren Votums bei der Volksabstimmung hat Premier Tsipras quasi kapituliert. Niemand weiß, welche Pistole ihm dafür in irgendwelchen Hinterzimmern auf die Brust gesetzt wurde. Wir wissen aber, dass die „Verhandlungen“ nie fair oder konsensorientiert waren, sondern gekennzeichnet durch

„das völlige Fehlen diplomatischer Skrupel, auf Seiten der vermeintlichen Verteidiger der europäischen Demokratie. […] wenn sehr mächtige Personen einem in die Augen schauen und sagen, „Sie haben Recht mit dem, was Sie sagen, aber wir werden Euch dennoch zerquetschen.“ “

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Die Dopamin-Junkies

Im Gegensatz zu den meisten anderen Raubtieren ist der Mensch ein Hetzjäger. Zwar sind viele potentielle Beutetiere in unserer evolutionären Kinderstube, der afrikanischen Savanne, schneller als wir, aber wir besitzen ein paar einzigartige Fähigkeiten, die das mehr als ausgleichen. Nur wenige Tiere sind in der Lage, in der Hitze lange Strecken zu joggen. Jeder Mensch kann (bei uns Zivilisationsopfern allerdings mit etwas Training) einen Marathon laufen. Im Gegensatz zu anderen Savannenbewohnern hat der Mensch nicht nur kein Fell, sondern verfügt auch über die Fähigkeit, zu schwitzen, so dass er auch in der Mittagshitze unterwegs sein kann, ohne zu überhitzen.

Natürlich ist die Antilope schneller als der Mensch. Aber Sie überhitzt schnell. Sie muss nach einem schnellen aber kurzen Fluchtlauf ein schattiges Plätzchen aufsuchen, und sich abkühlen. Zeit für den Jäger, aufzuholen und sie erneut aufzuscheuchen. Noch heute jagen Völker wie die San im südlichen Afrika auf diese Weise.

Nun bedeutet eine Hetzjagd eine enorme Investition an Zeit aus Ausdauer. Es muss viel Energie aufgewandt werden. Prinzipiell ist es evolutionär sinnvoll, Energie zu sparen, weshalb Löwen gerne den ganzen Tag in der Sonne herumlungern. Es muss also einen Mechanismus geben, der uns hilft, den Energiesparmodus auszuschalten. Der Schlüssel dazu ist ein Hormon namens Dopamin.

Dopamin ist der Antreiber, wenn wir etwas haben wollen. Dopamin ist ein Schlüsselhormon in unserem Belohnungssystem. Die Motivation, die anstrengende Hetzjagd weiter zu betreiben, erfolgt über Dopaminausschüttung für die kleine Belohnung zwischendurch. Wir sind dermaßen große Dopamin-Junkies, dass wir Wege gefunden haben, die Dopaminausschüttung im Gehirn chemisch zu stimulieren, indem wir Nikotin, Alkohol oder Opium konsumieren.

Sobald wir die Gazelle erlegt und zubereitet haben, hat das Dopamin seinen Zweck erfüllt. Die Jagd ist vorbei, eine weitere Motivation ist nicht nötig. Wenn wir träge und satt unter einer Akazie liegen und die Gazelle verdauen, fällt der Dopaminspiegel in den Keller. Dopamin treibt uns an, unsere Bedürfnisse zu erfüllen und hat somit keine Aufgabe, wenn das Bedürfnis erfüllt ist. Nate Hagens, auf den wir später noch einmal zu sprechen kommen, fasste das ganze zusammen als „das Wollen ist stärker als das Haben“.

Nun leben wir nicht mehr im altsteinzeitlichen Afrika, sondern im fossilen Zeitalter in Mitteleuropa. Wir jagen unser Essen nicht, sondern gehen für Geld arbeiten, um dann mit dem Geld die Dinge zu kaufen, die unsere Bedürfnisse befriedigen. Trotzdem hat sich unsere Körperchemie nicht verändert. Wir sind weiterhin Dopamin-Junkies, und Dopamin ist die Zwischenbelohnung auf dem Weg zur Bedürfnisbefriedigung. Dopamin schütten wir aus, wenn wir stundenlang durch die modernen Ökosysteme der Innenstädte auf der Suche nach Beute streifen. Dopamin schütten wir aus, wenn wir in diesem Ökosystem eine Beute ausgemacht haben, wenn wir sie erlegt haben und wenn wir sie nach Hause getragen haben. So einfach macht uns Shopping glücklich. Wenn wir jedoch am nächsten oder übernächsten Tag in unseren Schrank blicken, und dort die gekaufte Beute liegen sehen, schütten wir kein Dopamin mehr aus. Der einzige Weg zu neuem Dopamin ist eine neue Jagd.

Musste der steinzeitliche Jäger noch darauf warten, dass sein Magen ihm ein Bedürfnis signalisiert, dass es zu befriedigen gilt, so hat diese Aufgabe heute die Werbung für uns übernommen. Wer einmal so weit von der Zivilisation entfernt war, dass er keinen Verkehrslärm gehört und keine bunt gekleideten Menschen mehr gesehen hat, der weiß für welche Umgebung wir evolutionär geschaffen sind. Die natürliche Welt ist viel leiser und hat viel gedecktere Farben als unsere künstliche Welt. Die Speisen, die sie uns bietet sind weniger süß und weniger salzig. Jede Abweichung von diesem eigentlichen Normalzustand war eine so große Ausnahme, dass sie unser voller Aufmerksamkeit erforderte. Besonders grelle Farben konnten reife Früchte oder giftige Insekten bedeuten. Jedes plötzliche Geräusch konnte durch ein Beutetier oder aber ein gefährliches Raubtier verursacht sein. Süße zuckerreiche Nahrung war so selten, dass wir so viel davon aßen wie wir konnten.

Diese Reize, die viel stärker als das sind, dessen wir in der Natur im Normalfall ausgesetzt waren, machen alle Konsumgüterzweige sich zu nutze. Schon Kinderspielzeug wird in bunten grellen Farben geliefert, weil „die Kinder das mögen“. Natürlich greifen Kinder, wenn sie die Wahl haben, nach dem grellen Spielzeug, weil dieser außergewöhnlich starke Reiz ihre volle Aufmerksamkeit bindet. Die Lebensmittelindustrie hat es verstanden, unser Essen so stark mit Zucker zu versetzen, dass wir so viel davon essen wie wir können, weil dieser Zuckerreiz mehr Aufmerksamkeit bindet als die Information, dass so viel Zucker eigentlich nicht gesund ist. Unsere Zivilisation ist übersät mit grellbunten Werbetafeln, die Produkte anpreisen.

Weil wir für eine so laute und bunte Welt eigentlich gar nicht geschaffen wurden, können wir aufdringliche Werbung nicht ohne weiteres ignorieren. Wenn ein Produkt nur penetrant genug angeboten wird, unter Ausnutzung des vollen Farb- und Tonspektrums, wird das dazu führen, dass dieses Angebot unsere Aufmerksamkeit erfährt. Und sobald das angepriesene Produkt auch nur das kleinste Feature besitzt, das wir positiv bewerten, gibt es den ersten kleinen Dopaminschub, der uns motiviert, uns aufzuraffen und auf die Jagd zu gehen.

Das „Wollen“ ist stärker als das „Haben“. Deshalb sind wir blind für das, was wir haben, und sehen nur das, was wir wollen. Wir sind (wohl-)habender als alle früheren Generationen. Ist uns egal, wir wollen ein größeres Haus. Wir sind wahrscheinlich auch (wohl-)habender als alle zukünftigen Generationen. Ist uns auch egal, wir wollen ein zweites Auto. Wir sind (wohl-)habender als die meisten anderen Menschen auf dieser Welt in unserer eigenen Generation. Ist uns auch egal, wir wollen noch länger noch weiter weg in den Urlaub fliegen.

Das „Wollen“ ist stärker als das „Haben“. Das lässt sich natürlich messen. Wir wissen bereits, dass ab einem gewissen Einkommen das Glück nicht weiter zunimmt. Aber das ist eine abstrakte Aussage einer Statistik, aus der wir als empathisch denkende Wesen nicht ohne weiteres Handlungen für uns selbst ableiten können. Selbst viele Menschen, die wirklich alles haben, also viel mehr als der ohnehin schon enorm wohlhabende Durchschnittsdeutsche, haben diese Erkenntnis bisher noch nicht gehabt. Auch sie sind Dopamin-Junkies. Wer täglich an der Börse zockt, der braucht sein Dopamin auf dem Weg zur nächsten Million. Die Millionen auf dem Konto sind wie eine verspeiste Antilope oder Klamotten im Schrank. Die Million, die man gerade erspekuliert, liefert den Dopaminschub für heute. Dennoch gibt es sie, die Aussteiger.

Einer von ihnen ist Nate Hagens. Nate hat als junger aufstrebender Mann wie so viele andere was mit Wirtschaft studiert, um damit Karriere zu machen. Und das hat er auch:

„Für viele Jahre erreichte ich einen hohen Status, gemessen an dem Maßstab, der heute so populär ist: ein dickes Gehalt, schnelle Autos, Reisen in exotische Länder, Frauen, der Reiz des neuen und am wichtigsten, Respekt als ,erfolgreiches‘ Mitglied der Gesellschaft. […] Meine Fähigkeit, aus Zahlen noch größere Zahlen zu machen (bzw. dessen Wahrscheinlichkeit zu verkaufen), erlaubte es mir, in einem turbokapitalistischen System Erfolg zu haben. […] Eines Tages, beim wandern, traf mich die Erkenntnis, dass meine Tätigkeit zu einer gewissen Seelenlehre führte und obwohl es meine Rechnungen bezahlte begann ich, mich dafür zu interessieren, wie die Welt funktionierte und wie ich dazu beitragen konnte, sie zu verbessern.“

Daraufhin beendete Nate seine Karriere als Finanzguru, gab all seinen Klienten ihr Geld zurück und lernte wie Wirtschaft, Natur, Energie und menschliches Verhalten zusammenhängen. Heute lebt er auf einer kleinen Farm in Wisconsin und schreibt Artikel und hält Vorträge. Nate musste erst alles haben, um zu erkennen, dass unsere kulturelle Prägung falsch ist. Natürlich erzieht uns die Werbung zu Menschen, die haben wollen, obwohl sie das Haben nicht glücklich macht. Diese Fehlprägung abzulegen ist enorm schwer, und nur wenige schaffen es.

Einige müssen erst sehr viel haben, um dies zu erkennen. Ein weiterer solcher Kandidat ist Warren Buffet. Warren ist einer der reichsten Männer der Welt. Eines Tages beschloss er, 99% seines Vermögens zu verschenken:

„Zunächst mein Versprechen: 99% meines Vermögens werden für wohltätige Zwecke ausgegeben […]. Mit diesem Versprechen gebe ich nicht meine wertvollste Ressource, die Zeit. Viele Menschen, und dazu gehören – worauf ich sehr stolz bin – meine drei Kinder, geben viel von ihrer Zeit und ihrem Talent um anderen zu helfen. Geschenke dieser Art sind viel wertvoller als Geld. […]Zu oft haben große Mengen Besitzes dazu geführt, dass diese schließlich den Eigentümer besaßen. Mein größter Besitz, neben meiner Gesundheit, sind interessante, facettenreiche und lang anhaltende Freundschaften.“

Im Gegensatz zu Nate holt sich Warren weiterhin seine Dopaminschübe an der Börse, verschenkt aber das so erhandelte Geld, weil es ihn nicht glücklich macht, während andere die damit zugänglichen Ressourcen tatsächlich brauchen.

Natürlich werden die allermeisten von uns nie in die Situation kommen, als gelangweilter Millionär den Sinn von Geld zu hinterfragen. Aber das müssen wir auch nicht. Unser Lebensstandard ist – gemessen an Mobilität, am Zugang zu medizinischer Versorgung und Bildung, am hygienischen Zustand unseres Wohnraumes – höher als der praktisch aller früheren Könige und Kaiser. Wir Durchschnittsdeutschen sind – gemessen an früheren, schlechter gestellten heutigen und zukünftigen Menschen – alle sowas wie Millionäre. Reicht das Wissen darum nicht aus, um sich von der grundfalschen Idee zu lösen, dass noch mehr Konsum in irgendeiner Weise unser Leben verbessert?

Sicherlich ist es sinnvoll (und für den Junkie scheinbar lebensnotwendig), als Ersatz für das Shopping andere Glückshormone zu finden, mit denen wir unsere Highs bekommen, wenn wir nicht mehr in der Innenstadt Klamotten jagen (oder im Baumarkt das nächste Werkzeug). Da wir auch bei sportlichen Aktivitäten jede Menge Glückshormone produzieren, sollten wir das Nicht-Shoppen als sportliche Herausforderung ansehen. So wie man beim Tauchen oder Dauerlaufen permanent seine Maximalzeit übertreffen kann, so kann man auch die Herausforderung annehmen den Zeitraum, in dem man keine Klamotten oder Werkzeuge kauft, kein Auto fährt oder generell kein Geld ausgibt (eine jeder wähle seine Sportart) permanent zu erhöhen. Ich wünsche jedem Leser, der zu diesen Spielen antritt, viel Spaß beim Genuss seines nächsten Highs.

Wachstum – der Tag danach

Nach einigen Jahrhunderten permanenten Wachstums, angetrieben durch den Zugriff auf Jahrmillionen von Jahren gespeicherten Sonnenlichtes in Form von Öl, Kohle und Gas einerseits und die Ressourcen der dritten Welt andererseits muss die moderne westliche Zivilisation zwangsläufig an einen Punkt kommen, an dem ihr die Ressourcen ausgehen, um ihr derzeitiges Wirtschaften aufrecht zu erhalten. Prognosen sind bekanntlich immer schwierig, besonders wenn es dabei um die Zukunft geht. Und so ranken die Vorhersagen der Zukunft irgendwo auf der Achse zwischen einer durch grüne Energien gespeisten rosigen Zukunft einerseits und der totalen Apokalypse andererseits.

Zunächst gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Beide resultieren aus der Tatsache, dass in unserer heutigen Welt der Großteil unserer reichlich vorhandene Ressourcen dazu genutzt wird, Berufe und Tätigkeiten durchzufüttern, die keinerlei Nutzen hervorbringen. Wie solche Tätigkeiten, z.B. Steuerfachleute, Marketingmenschen usw. in unserer angeblich so effizienten Wirtschaft zustande kommen, haben wir bereits an verschiedenen Stellen besprochen (z.B. hier und hier).

Die schlechte Nachricht lautet also: Viele Menschen gehen heute einer Tätigkeit nach, die in einer rohstoffärmeren Welt nicht mehr gesellschaftlich zu finanzieren ist. Das bedeutet, dass wer heute einen Beruf wählt, sich jetzt schon überlegen muss, ob es daran in ein paar Jahrzehnten noch Bedarf gibt. Die gute Nachricht hingegen ist diese: Es gibt genügend Arbeitskräfte, die zukünftig genutzt werden können, um eine kleiner werdende Rohstoffbasis durch mehr menschliche Arbeit zu kompensieren.

Unsere Rohstoffbasis wird sich zukünftig aus zwei Richtungen verkleinern. Natürlich wird die Zeit der fossilen Rohstoffe zu Ende gehen. Schon jetzt erreichen wir in vielen sonnigen Gegenden der Erde den Tipping Point, an dem Solarenergie die Kohle ablöst. Aber wir leben nicht nur von fossilen Rohstoffen, sondern auch von den nachwachsenden Ressourcen anderer Länder. Unser Holz kommt aus Russland, unser Bioethanol aus Südamerika und unser Palmöl aus Indonesien. Wenn all diese Länder sich eines Tages aus der wirtschaftlichen Umklammerung des Westens lösen und ihre Rohstoffe lieber selbst verbrauchen oder an die Inder und Chinesen verkaufen, dann wird es für Deutschland nicht leicht. Wie soll eine der am dichtesten besiedelten Industrienationen ihre Rohstoffe aus der eigenen Fläche gewinnen?

Nun zeigen beide Weltkriege, dass es prinzipiell möglich ist, in Deutschland mehr oder weniger genügend Kalorien zu produzieren, um die Bevölkerung am Leben zu erhalten. Sicherlich war Deutschland damals ein bisschen größer als heute, andererseits gab es durch den vergleichsweise plötzlichen Kriegsbeginn praktisch keine Zeit, die Landwirtschaft über mehrere Jahre in Ruhe von externen Abhängigkeiten zu lösen. Dieses historische Beispiel macht aber deutlich, welcher Arbeits- und Flächeneinsatz nötig ist, um nahrungsautark zu werden. Praktisch jeder muss zum Freizeitgärtner werden und in seinem Garten, Vorgarten oder der nächsten öffentlichen Grünfläche Gemüse ziehen. Die gesamten städtischen Grünanlagen, bisher angelegt nach Kriterien der Optik, der Pflege und der Abgasbeständigkeit, müssen nach und nach in Nutzflächen verwandelt werden. In den Ballungsgebieten direkt am Verbraucher Millionen von Bäumen stehen zu haben, die keine essbaren Früchte tragen, ist ein Luxus, den sich nur dekadente Überflussgesellschaften leisten können.

So absurd das aus heutiger Sicht klingt, so schleichend wird der Wandel kommen. Städtische Parks wandeln sich über viele Jahrzehnte, schon jetzt werden in ersten Städten wieder Obstbäume in die Parks gesetzt. Ein Baum hier, ein anderer da. So entstehen schleichend neue Trends. Irgendwann werden die ersten Kommunen auf die Idee kommen, ihre Wiesen zur Weidehaltung zu verpachten, da dies nicht nur zusätzliches Einkommen generiert, sondern auch die Kosten für das Rasenmähen und die Rasenschnittentsorgung wegfallen.

Auch die klassische Landwirtschaft wird sich wandeln und dies zeigt sich schon jetzt in den ersten Ansätzen. Das energieintensive Pflügen mit immer tieferen Pflügen und immer größeren (und spritfressenderen) Maschinen ist jetzt schon auf dem Rückweg. So zeigt z.B. diese Studie, dass man mit intelligentem Mischfruchtanbau auch ohne Umpflügen des Bodens die Ernte steigern kann. Auch dieser Versuch aus der Schweiz zeigt, dass nach anfänglicher Umstellung die Erträge im pfluglosen Anbau leicht höher sind.

Die Versorgung von Morgen liegt also natürlich in der Hand der Forschung, aber nicht in der Hand der Agroindustrie. Erträge werden nicht erzielt, indem immer größere Landmaschinen GPS-gesteuert immer mehr Produkte der chemischen Industrie auf den Acker kippen, sondern indem der Bauer aus der Rolle des agroindustriellen Kunden herauswächst und wieder zum Experten in eigener Sache wird. Er muss lernen, für seinen Boden und seine Region die bestmöglichen Fruchtfolgen zu finden.

Was bedeutet das aber für die Vielfalt im Supermarkt, wenn wir zukünftig nur noch regional und saisonal essen, weil wir nicht mehr die Energie haben, um landwirtschaftliche Produkte aus allen Klimazonen der Erde nach Mitteleuropa zu karren? Sie wird sich ändern, aber nicht abnehmen. Tatsächlich ist die Auswahl im Supermarkt nicht so groß, wie sie sein könnte, wenn man bedenkt, dass wir theoretisch Zugriff auf alle Nutzpflanzen dieser Welt haben. Es haben sich in der globalen Landwirtschaft nur eine Hand voll Obst- und Gemüsesorten etabliert. Mehr Früchte als Äpfel, Orangen, Bananen und das Universalgemüse Tomate, mit dem man jedem Fertigessen eine gemüsig-rote Erscheinung geben kann, essen viele Leute nicht. Wer hingegen kennt denn schon die Vielfalt unserer Klimazone? Wer hat denn schon mal Pastinaken oder Petersilienwurzel gegessen? Wer weiß denn schon, dass viele heimische Kohlsorten mehr Vitamin C haben als Orangen? Es gibt allein in Deutschland heute noch rund 1.500 Apfelsorten mit diversen Größen, Farben, Geschmäckern und Texturen, nur ein Handvoll davon schafft es in die Supermärkte. Regionalisierung der Nahrung bedeutet die Wiederentdeckung einer längst vergessenen Vielfalt. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und wird natürlich wenig davon begeistert sein, seine Ernährungsgewohnheiten zu ändern. Es wird viele geben, die an ihren Gewohnheiten festhalten und immer höhere Preise für überteuerte importierte Paprika bezahlen (und sich dann beschweren, wie teuer gesunde Ernährung ist).

Die gute Nachricht ist also: Wir werden nicht verhungern, die Apokalypse bleibt aus. Die schlechte Nachricht, ist, dass unser Gesellschaftssystem sich wahrscheinlich nicht intelligent reformieren wird, sondern nur äußeren Zwängen folgend. Es werden nicht die zuerst ihren Lebensstandard herunterschrauben, die viel zu viel haben, sondern die Habenichtse werden zuerst leiden, weil sie innerhalb der jetzigen Ordnung ihren Zugang zu Ressourcen nicht durchsetzen können. Eine solche Entwicklung geschieht bereits in den USA, wo die praktische Abwesenheit eines Sozialstaates dazu führt, dass Millionen Menschen vollkommen aus dem Wirtschaftssystem herausgelöst sind. Dort rüstet sich die Polizei immer mehr auf und die Grenze zwischen der gewaltsamen Niederschlagung von Aufständischen im Iraq und dem Einsatz gegen demonstrierende Bürger des eigenen Landes verschwimmt.

Das ist natürlich bedenklich, aber es gibt auch für die Habenichtse eine gute Nachricht. In vergangenen Zeiten ist der Wert menschlicher Arbeit permanent gesunken, weil der vermehrte Einsatz von Energie, sowohl als treibende Kraft als auch in als Kapital gebundener Form, den Menschen aus immer mehr Tätigkeiten verdrängt hat. Wird Energie teurer, werden Maschinen teurer, wird die Instandhaltung von komplexen Produktionsmitteln teurer, so steigt die Nachfrage nach menschlicher Arbeit.

Des Weiteren steigen die Möglichkeiten, durch eigene Wertschöpfung Geld zu sparen. Schon jetzt sorgt unser Wirtschaftssystem – entgegen der Behauptung der Marktideologen – nicht für besonders effiziente Produkterzeugung. Ein Handwerker muss heute rund einen halben Tag arbeiten, um von seinem Lohn eine einzelne Handwerkerstunde zu kaufen. Aufgrund von offenen und versteckten Abgaben wie Steuern, Zinsen, Kosten für Unternehmensbuchhaltung usw. lohnt sich bei vielen Tätigkeiten ein Austausch am Markt nicht. In den meisten Teilen der Welt herrscht heute noch eine große Wertschöpfungstiefe direkt im Haushalt, besonders in den Bereichen Nahrungserzeugung, Nahrungsverarbeitung, Textilverarbeitung und Handwerk. Dies war auch bei uns früher üblich, und es wird wieder üblicher werden.

Der Trend dazu besteht bereits. Natürlich wird dieser nicht als Not gesehen, sondern als Chance, individuelle Produkte zu erzeugen, die nicht der geplanten Obsoleszenz unterliegen. Da in Zukunft niemand mehr durch Arbeit reich werden wird (falls das je ging) liegt der Fokus auch nicht mehr primär auf der monetären Wertschöpfung, sondern auf Lebensqualität und Zufriedenheit mit sich selbst.

Auch andere Absurditäten des Industriezeitalters werden verschwinden. Für viele Bleifüße heute ist ein Leben ohne Auto unvorstellbar. Je teurer das Auto wird, desto altbackener wirkt es jedoch, große Teile seiner Lebenszeit zu opfern, um ein solches zu finanzieren. Die Individualmobilität von morgen wird elektrisch. Aber es werden wenige eine zwei Tonnen schwere Maschine besitzen, um 75kg Mensch zu transportieren. Das eigene Auto wird für junge Menschen immer weniger erstrebenswert, während ältere daran festhalten.

Es wird also dauern, bis die Autokultur herausgewachsen ist. Mit etwas Glück wächst sie schneller heraus, als die Rohstoffe knapp werden, dann wird es nicht so viel Gemecker geben. Die Individualmobilität von morgen ist elektrisch, aber auf zwei Rädern. Während die Führerscheinrate jährlich sinkt, steigt der Absatz von E-Fahrrädern in Deutschland und Europa. Aber der fahrradbasierte Verkehr wird sich nicht auf den Personenverkehr beschränken. Es mehren sich die Zeichen, dass im städtischen Verkehr das Lastenfahrrad zukünftig eine größere Rolle spielt.

Der durch Wachstumsmodelle prognostizierte Abstieg der Wirtschaftskraft nach der Zeit des Rohstoffüberflusses kann zu sozialen Verteilungskämpfen führen, wenn man am status-quo festhält. Er kann aber auch eine Chance auf ein materiell einfacheres, aber dafür vielseitigeres und sinnstiftenderes Leben sein. So mögen unsere Modelle die Rahmenbedingungen der Zukunft vorhersagen, gestalten müssen wir sie immer noch selbst.

Wachstumsmodellierung II

Letztes Mal haben wir gesehen, dass man es zwar nicht den klassischen Ökonomen, aber der auf Naturwissenschaft basierender Systemtheorie möglich ist, Wirtschaftswachstum sehr gut vorherzusagen. Heute wollen wir mal mit hochgekrempelten Ärmeln in die Praxis einsteigen, um zu sehen, wie solche Modelle prinzipiell funktionieren. Dazu basteln wir uns ein einfaches sehr simples Modell einer globalen Wirtschaft mit ein paar natürlichen Ressourcen und sehen mal, was so passiert.

Wir wissen ja bereits, dass Excel alle Funktionalitäten liefert, die man benötigt, um Simulationen durchzuführen. Zunächst werden wir ein paar Gleichungen herleiten, die unser Wachstum beschreiben und dann werden wir sehen, wie die Kurven aussehen, die aus diesen Gleichungen resultieren.

Zunächst einmal basiert unsere Wirtschaft auf Ressourcen. Diese Ressourcen unterteilen sich in erneuerbare Ressourcen und nicht erneuerbare Ressourcen. Während die erneuerbaren Ressourcen jedes Jahr gleich groß sind und erneut zur Verfügung stehen und somit sozusagen ein Einkommen bilden, haben die nicht erneuerbaren Ressourcen eine bestimmte Startgröße und nehmen dann jedes Jahr um die verbrauchte Menge ab. Sie bilden also eine Art Guthaben. In unserem Modell liefert die Welt jährlich 10 Einheiten erneuerbare Ressourcen, während sich in der Erdkruste 1000 Einheiten nicht erneuerbare Ressourcen verbergen.

Unsere Wirtschaft wird aufrechterhalten, indem Ressourcen umgesetzt werden. Für unsere Vereinfachung benötigt man pro Jahr eine Einheit Ressource, um eine Einheit Wirtschaft neu zu erschaffen (1. Hauptsatz der Thermodynamik) und 0,1 Einheiten Ressource, um eine Einheit Wirtschaft aufrecht zu erhalten (2. Hauptsatz der Thermodynamik). Unsere Wirtschaft hat die Startgröße 1.

Nun stehen jedes Jahr Ressourcen zur Verfügung. Diese setzen sich zusammen aus den erneuerbaren und den nicht erneuerbaren Ressourcen. Zieht man von diesen insgesamt zur Verfügung stehenden Ressourcen diejenigen ab, die für den Unterhalt der Wirtschaft benötigt werden, so bleiben zur Verfügung stehende Ressourcen übrig. Diese bilden die Wachstumsreserve. Das Wachstum der Wirtschaft hängt nun sowohl von dieser Wachstumsreserve als auch von der bisherigen Größe der Wirtschaft ab.

Aus dem Verbrauch für das Wachstum und den Verbrauch für den Erhalt der Wirtschaft berechnet sich der Gesamtverbrauch an Ressourcen. Wir nehmen an, dass dieser sich derart auf erneuerbare und nicht erneuerbare Ressourcen aufteilt, dass beide zur Verfügung stehende Mengen gleichmäßig genutzt werden.

Solange nur ein Teil der erneuerbaren Ressourcen genutzt wird, gibt es noch unberührte Natur. Eine volle Nutzung aller erneuerbaren Ressourcen bedeutet, dass auch das letzte Fleckchen Erde der Extraktion durch industrielle Prozesse unterworfen ist. Der Anteil an ungenutzten natürlichen Ressourcen bildet also sozusagen unsere Biodiversität ab.

Lassen wir dieses Szenario (hier als EXCEL-Datei zum selbst rumspielen) nun 150 Jahre laufen, die wir in drei Epochen zu je 50 Jahren betrachten werden. Die einzelnen Zahlenwerte wurden der Einfachheit halber in Prozent umgerechnet, damit alle Größen in eine Grafik passen.

Wachstum 000-050

Was passiert in unserer kleinen Welt? Die ersten 50 Jahre passiert nicht so gravierend viel. Die Wirtschaft im Vergleich zu den noch endlos erscheinenden Ressourcen klein. Nach 50 Jahren sind immer noch 80% der nicht erneuerbaren Ressourcen in der Erde. Die Biodiversität ist groß, es gibt wenig Grund, sich jetzt schon über Umweltschutz Gedanken zu machen. Die Wirtschaft wächst und gedeiht und Ökonomen versprechen in dieser Welt eine rosige Zukunft. Denn die Kurve zeigt exponentielles Wachstum, welches findige Ökonomen einfach extrapolieren. Es scheint, als könnte man noch Jahrhunderte so weiterwirtschaften. Künstler und Autoren erschaffen Science-Fiction-Werke, in denen unendlich weit fortgeschrittene zukünftige Zivilisationen die Weiten des Alls besiedeln und schaffen somit eine Vision, mit der Ökonomen dem grenzenlosen Wachstum eine scheinbar grenzenlose Rohstoffbasis zugrunde legen können. Doch schon die nächsten 50 Jahre haben es in sich.

Wachstum 050-100

Man darf das exponentielles Wachstum nicht unterschätzen. Die rapide wachsende Wirtschaft beschleunigt die Extraktion von nicht erneuerbaren Rohstoffen derart, dass sie in weniger als drei Jahrzehnten von rund 80% auf 0% fällt. Nähert sich die Verfügbarkeit der nicht erneuerbaren Rohstoffe der Null, so nimmt der Gebrauch von Erneuerbaren Rohstoffen rasant zu, mit entsprechend fatalen Konsequenzen für die Biodiversität. Trotzdem reicht die insgesamt geringe Verfügbarkeit von Ressourcen nicht aus, um die Wirtschaft am Leben zu halten. Sobald keine Ressourcen mehr in ausreichend großen Mengen zur Verfügung stehen, fängt das Wirtschaftssystem an sich selbst zu kannibalisieren (eine Prozess, den J. M. Greer als „katabolischen Kollaps“ bezeichnet) und schrumpft um mehr als die Hälfte.

Wachstum 100-150

Die letzten 50 Jahre passiert nicht mehr viel. Die einmal verbrauchten nicht erneuerbaren Ressourcen kehren nicht zurück. Menschliches Wirtschaften pendelt sich auf einem Niveau ein, das mit den erneuerbar verfügbaren Ressourcen noch zu halten ist. Diese beträgt aber nur rund ein Drittel der Wirtschaftsgröße des Höhepunktes der fossilen Party.

Diese kleine Spielerei gibt einen hoffentlich nachvollziehbaren Einblick in die Systemmodellierung. Natürlich erhebt dieses Modell keinen Anspruch auf eine korrekte Zukunftsprognose, und natürlich hängt viel von den gewählten Faktoren und Startbedingungen ab. Es zeigt aber deutlich, dass in einer Welt mit begrenzten Ressourcen eine Wirtschaft nicht grenzenlos wachsen kann. Außerdem zeigt es die Gefahr, in einer Zeit des Überflusses einen Ressourcenverbrauch zu betreiben, der langfristig nicht gedeckt werden kann, was zwangsläufig zu einem mindestens teilweisen wirtschaftlichen Kollaps führt.

Warum können Simulationen zu solch grundsätzlich anderen Ergebnissen kommen als die klassischen ökonomischen Modelle? Einen Grund dafür, die Ignoranz der Ökonomen gegenüber der realen Welt, kennen wir schon, der zweite ist nicht so offensichtlich. Wir haben uns in einem früheren Beitrag mal mit dem Phänomen der Emergenz, dem Erwachsen komplexer Strukturen aus dem Zusammenspiel vieler einfacher Strukturen, beschäftigt. Während Ökonomen mit ihren Weltformeln die komplexe Struktur vorweg nehmen, und somit keine Spielräume für alternative Lösungen lassen, wächst in der Simulation die Lösung emergent. In der Simulation beschreibt man alle einzelnen weniger komplexen Sachverhalte so gut es geht und auch deren Zusammenspiel. Das Ergebnis wird in der Simulation aber nicht vorweggenommen, sondern es ergibt sich emergent und sorgt mal für mehr und mal für weniger Überraschung.

Nächstes Mal werden wir sehen, was so eine schrumpfende Wirtschaft eigentlich für unser Leben bedeutet.

Wachstumsmodellierung I

Wirtschaftswachstum, der Fetisch unserer Zeit, war schon des Öfteren Thema dieses Blogs, sowohl als physikalisches als auch als kulturelles Phänomen. Während klassische wirtschaftswissenschaftliche Wachstumstheorien nur ihrer selbst genügen, binden andere Ansätze die Wirtschaft in die globalen Stoff- und Energieflüsse ein. Die einen landen bei ewigem Wachstum, andere sagen dessen Ende voraus. Sehen wir uns die Modelle mal etwas genauer an.

Klassische Wachstumstheorien der Wirtschaft drehen sich um Kapital und Arbeit und haben ihre Wurzeln damit unverkennbar in einer marxistischen Weltbetrachtung, auch wenn dies wohl kein Neoliberaler gerne zugeben mag. Mit Kapital sind dabei alle Produktionsmittel vom Ackerboden über Fabrikhallen und Maschinen bis hin zu Fuhrpark und Verkaufsflächen gemeint. Alle diese Theorien gehen davon aus, das ein Mehr an Kapital bzw. ein Mehr an Arbeit zu einem größeren wirtschaftlichen Output führt. Ein Teil dieses Outputs kann nun genutzt werden, um das Kapital zu erhöhen. Im nächsten Jahr stünde so mehr Kapital zur Verfügung, womit noch mehr Output möglich wäre. Wenn man nur genügend reinvestiert, so die Schlussfolgerung, kann die Wirtschaft grenzenlos wachsen.

Nun haben Generationen von Ökonomen diesen banalen Zusammenhang in beliebig komplizierte mathematische Formeln gegossen, ohne jemals dessen Grundannahmen zu überprüfen. Der Wert von Kapital und Arbeit wird ja in Geldeinheiten gemessen. Das Geld bezieht seinen Wert aber erst dadurch, dass es durch Kapital oder Arbeit gedeckt ist. Nun kann man dieser zirkelschlüssigen Zwickmühle versuchen zu entkommen, indem man die Änderung des Geldwertes mit berücksichtigt. Allerdings setzt die dazu verwendete Methode – der Preisvergleich eines Warenkorbes – voraus, dass sich die physische Knappheit der Güter im Warenkorb nicht verändert, dieser soll ja schließlich als unveränderliche Bezugsgröße bei der Preisermittlung dienen. Klassische ökonomische Wachstumstheorien setzen also implizit voraus, dass sich die physische Realität der Welt nicht verändert, da sie sonst überhaupt nicht durch echte Daten überprüfbar sind.

Trotz dieser offenkundigen Unmöglichkeit, das Wachstumsmodell überhaupt mit echten Daten zu verifizieren, wurden Ökonomen nicht müde, es zu versuchen. Ändert sich die physische Realität hinreichend langsam, kann man diese guten Gewissens zumindest näherungsweise als starr annehmen. Gesagt, getan, offenbarte sich bald das nächste Problem. Allen Versuchen zum Trotz gelang es nicht, die auf bloßer Arbeit und Kapital beruhenden Modelle mit den realen Daten in Einklang zu bringen. Die reale Wirtschaft wuchs einfach viel zu schnell. Nun wissen wir bereits, dass Solow den technischen Fortschritt als Zauberfaktor in die Formel geschummelt hat. Dieser wird im Laufe der Zeit immer größer, und streckt so die von der Wachstumsformel beschriebene, eigentlich zu niedrige Linie so weit nach oben, dass sie die echten Wirtschaftsdaten trifft.

An dieser Stelle treten die Naturwissenschaftler und Ingenieure auf die Bühne. Technischer Fortschritt ist schließlich keine Zauberei, sondern ein solides Geschäft mit harten Grundlagen. Während drei Ökonomen zusammen meist fünf verschiedene Wirtschaftsprognosen abliefern, liefern telefonierende Handys, fliegende Flugzeuge und Live-Datenübertragungen in Radio, Fernsehen und Internet täglich den milliardenfachen Beweis, dass die technische Zunft ihr Metier versteht.

Ingenieure machen sich bei ihrer Arbeit grundlegende Naturgesetze zu Nutze. So wissen wir, dass es einen Energie- und einen Massenerhaltungssatz gibt. Beides kann nicht verschwinden oder aus dem Nichts entstehen. Also können diese Dinge bilanziert werden. Alle Energieflüsse (Elektrizität, Wärme, Bewegung, …) und alle Massenflüsse (Treibstoffe, Abgase, Kühlflüssigkeiten, …) müssen irgendwo herkommen und irgendwo hinfließen. So wird der Ingenieur zum Buchhalter physikalischer Größen, der erst bei einer ausgeglichenen Energie- und Massenbilanz weiß, dass er nichts vergessen hat.

Hätte Solow über so viel physikalisches Grundverständnis, wie im vorherigen Absatz vermittelt wurde, verfügt, so hätte er ein paar sehr wichtige Schlüsse ziehen können. Wenn Technik von den Flüssen von Energie und Materie abhängt, und diese nicht aus dem Nichts entstehen, dann muss es irgendwo „draußen“ Quellen von Energie und Materie geben, die unsere Technik und nach Solow damit auch unsere Wirtschaft speisen. Damit hängt unser Wachstum davon ab, wieviel Energie und Materie da „draußen“ noch zu holen ist.

Dennis Meadows war die richtige Mischung aus Ökonom und Naturwissenschaftler, die benötigt wurde, um all diese physischen Randbedingungen in ein Modell zu gießen. Er war Chemiker, aber auch Ökonom. Er arbeitete in seinem Leben an Fakultäten für Ingenieurwissenschaften, Management und Sozialwissenschaften. 1972 leitete er ein Team, das mit seiner Studie für Furore sorgte. Dieses Team machte sich auf, „draußen“ zu modellieren, und eine Wirtschaft in dieses „draußen“ einzubetten.

„Draußen“ ist nicht unendlich groß. Die Energie- und Werkstoffe liefernden Rohstoffe sind begrenzt (so gilt der Mittelmeerraum nur deshalb heute als an Bodenschätzen arme Region, weil viele Erze schon im Altertum durch griechischen und römischen Bergbau erschöpft wurden). Ebenso ist die Fähigkeit von „draußen“, unsere Abfälle aufzunehmen, begrenzt. Schließlich muss (Massenerhaltung!) alles, was wir aus der Erde kratzen oder von ihrer Oberfläche pflücken, eines Tages wieder als Müll irgendwo „draußen“ hingekippt werden.

Meadows Modell war viel komplizierter als die simplen Gleichungen mit denen sich Ökonomen bis dahin zufrieden gegeben haben. Es beinhaltete so viele Größen und Wechselwirkungen, dass es nur mit einem Computer – 1972 noch nicht selbstverständlich – ausgewertet werden konnte. Dieses Weltmodell „World3“ ist ein Modell, das die neben der Wirtschaft alle wesentlichen Größen von „draußen“ in einer Simulation zusammenfasst.

Limits to Growth - Gesamte Modellübersicht

Meadows und sein Team ließen das Modell viele Male durchrechnen. Jedesmal trafen sie dabei andere Annahmen. Eines dieser Durchläufe nannten sie das Standardszenario. Dieses ist die Prognose für die Zukunft für den Fall, dass die Menschheit nichts an ihrem Verhalten ändert. Ein anderes war das stabile-Welt-Szenario. Es war das Szenario für den Fall, dass (wohlgemerkt ab 1972) die Menschheit die richtigen Weichen für eine nachhaltige Zukunft stellt. Seitdem ist viel Zeit vergangen. Leider entsprechen die letzten Jahrzehnte dem Standardszenario. Die reale Entwicklung liegt dermaßen dicht an Meadows‘ Prognose, dass man vor ihm und seinem Team den Doktorhut ziehen muss. Korrekte Prognosen sind der Goldstandard der Wissenschaft. Wie beschämend ist im Vergleich dazu Solows lächerlicher Zauberfaktor, für den er 15 Jahre später den Wirtschaftspseudonobelpreis bekam.

Vergleich zwischen World3-Prognose und realer Entwicklung

Betrachtet man sich Meadows Standardszenario, dem wir seit über 40 Jahren unermüdlich folgen, genauer, so sollte uns diese Entwicklung langsam Sorge bereiten. Nicht wegen der bald sinkenden pro-Kopf-Verfügbarkeit an industriellen Output (grau) Dienstleistungen (orange) und Nahrung (lila).

Limits to Growth - Prognose Standardszenario

Nein, Sorge sollte uns das Jahr 2050 bereiten. In dieser Zeit, die unsere Kinder und Enkel alle noch erleben werden, bricht trotz steigender Geburtenrate (dunkelbraun) die menschliche Population zusammen (hellbraun). Wenn die natürlichen Reichtümer dieser Welt nicht mehr reichen, um zivilisatorische Mindeststandards in Nahrung, Hygiene, Sicherheit und Gesundheit aufrechtzuerhalten, dann wird die explodierende Sterberate (schwarz) uns in eine Zeit zurückwerfen, in der Frauen fünf oder sechs Kinder gebären mussten, damit wenigstens ein oder zwei davon alt genug werden, um ihr Enkel zu schenken. Mit etwas Glück kollabiert unser Wirtschaftssystem, bevor es soweit ist.

Larrys Welt

Letztes Mal hatten wir uns mit psychopathischem Verhalten beschäftigt und festgestellt dass alle Machtstrukturen, also auch die wirtschaftlichen, Psychopathen magisch anziehen und diese dort in erhöhter Konzentration vertreten sind. Georg hatte daraufhin einen schönen Kommentar mit dem Link zu Larry Summers geleaktem Memo gepostet. Dieses ist nicht nur in dem Kontext einer Menschenverachtenden Weltsicht interessant, sondern bietet auch ein Musterbeispiel dafür, wie unter dem Deckmantel der Entwicklungshilfe und ökonomischer Scheinargumente eiskalt wirtschaftliche Interessen durchgesetzt werden.

Zunächst die Einleitung des Memos, von Larry geschrieben in seiner damaligen Funktion als Chefökonom der Weltbank, in deutscher Übersetzung:

„“Schmutzige Industrien‘: Nur so zwischen euch und mir, sollte die Weltbank nicht die Umsiedelung von schmutzigen Industrien in die dritte Welt fördern? Mir fallen dazu drei Gründe ein:““

Das Memo ist mittlerweile fast ein viertel Jahrhundert alt. Damals war Umweltverschmutzung durch ungefilterte Abwässer, Stäube und Abgase in den Industrienationen noch ein ernsthaftes Problem, während viele heute industrialisierte Schwellenländer damals kaum Industrie besaßen. Larry arbeitete bei der Weltbank. Diese Organisation gibt sich vordergründig als Entwicklungshilfeorganisation, mit dem offiziellen Ziel, die extreme Armut in der Welt zu beenden.

Die Weltbank, so sozial sie sich auch gibt, ist in Instrument der wirtschaftlichen Machtausübung. Zwar rühmt sich die Weltbank, derzeit 188 Mitglieder zu haben, doch sind diese nicht alle gleichberechtigt. Zum Zeitpunkt von Larrys Memo besaßen die USA und ihre wichtigsten Verbündeten (UKUSA, damalige NATO und Japan) bereits über 50% der Stimmanteile in der Weltbank. Es handelt sich hier also um eine Organisation, in der die sog. „Erste Welt“ umfassende Macht hat und diese nutzt, um weltweit wirtschaftliche Machtpolitik zu betreiben und ihre Interessen durchzusetzen.

Eine Teilorganisation der Weltbank ist die IFC, die International Finance Corporation. Hier die Selbstbeschreibung:

„“Wir bieten Investitionen, Beratung und Vermögensverwaltung. Unsere Dienstleistungen ermöglichen es uns, privaten Investoren dabei zu helfen, Geschäftsfelder zu erschließen – unsere Investitionen und Beratungsdienste können entsprechend der kundenspezifischen Bedürfnisse maßgeschneidert werden, um so Wertschöpfung zu generieren. Unser Fähigkeit, weitere Investoren anzuziehen, bringt zusätzliche Vorteile und hilft unseren Kunden bei der Kapitalakquise und verbessert ihre Geschäftsstrategien.““

Hier versteckt sich also eine weitere Aufgabe der Weltbank. Sie ist ein Dienstleister der Privatindustrie und hilft als Büttel der Konzerne, weltweit Ressourcen und Dienste zu privatisieren. Es bedarf schon einer gehörigen Portion neoliberaler Ideologie oder aber Ignoranz, um keinen Widerspruch zwischen der Bekämpfung der Armut und der Förderung von Neokolonialismus im Auftrag westlicher Konzerne zu sehen.

Allein Larrys Vorschlag, mehr Verschmutzung in die Dritte Welt zu migrieren, zeigt zugunsten welchen Ziels Larry diesen Widerspruch auflöst. Wie begründet er seinen Vorschlag?

„“1) Die Messung der Kosten von gesundheitsschädlicher Umweltverschmutzung hängen von den Verdienstausfällen durch erhöhte Krankheits- und Todesfälle ab. Von diesem Blickpunkt aus sollte eine gegebene Menge von gesundheitsschädlicher Umweltverschmutzung in dem Land mit den geringsten Kosten auftreten, welches das Land mit den geringsten Löhnen wäre. […]““

An dieser Stelle wird eine Reihe von Dingen offensichtlich. Zunächst kümmert sich Larry, wie vermutet, nicht um das Wohl der Ärmsten in der Welt, sondern ist daran interessiert, Wege zu finden, wie er den Giftmüll der ersten Welt (also seinen Giftmüll vor seiner Haustür) in die dritte Welt bekommt (also weg). Weiterhin verwendet er Scheinlogik, um diese Interessen durchzusetzen.

Er setzt die Kosten für Umweltverschmutzung mit den Verdienstausfällen durch Krankheit und Tod gleich. Dies ist neoliberale Selbstlegitimierung vom feinsten. Wir haben ja schon des Öfteren thematisiert, dass der Glaube, Preise spiegeln Wertschöpfung wider, Teil der neoliberalen Wirtschaftstheologie ist und dass es genügend Wege gibt, sein monetäres Einkommen auch ohne eigene Wertschöpfung zu maximieren. Setzt man aber monetäres Einkommen mit Wertschöpfung gleich, so stilisieren sich die Gewinner des Systems zu den wertschöpfenden Helden, den Leistungsträgern, während die Verlierer des Systems, die Armen und Ausgebeuteten, zu Minderleistern abgestempelt werden. Larry sagt im Prinzip, wenn durch Umweltverschmutzung ein paar Arme sterben, dann ist das nicht so schlimm, weil die ja eh nix leisten, sonst würden sie schließlich mehr verdienen.

Auf die Idee, die Kosten für Umweltverschmutzung mit dem anzusetzen, was es kostet, die Verschmutzung zu vermeiden bzw. wegzuräumen, was einer sauberen Einpreisung von Externalitäten entspräche, kommt er natürlich nicht. Diese Kosten wären wahrscheinlich überall auf der Welt gleich groß, womit es keinen Grund mehr gäbe, Schmutz und Giftmüll von Larrys Haustür in die dritte Welt zu exportieren. Er führt weiter aus:

„“2) Die Kosten der Verschmutzung sind wahrscheinlich nichtlinear, da die ersten Inkremente der Verschmutzung wahrscheinlich wenig Kosten verursachen. Ich habe schon immer gedacht, dass die unterbevölkerten Länder Afrikas wahnsinnig unterverschmutzt sind. Deren Luftverschmutzung ist wahrscheinlich unglaublich ineffizient niedrig verglichen mit Los Angeles oder Mexico City. […]““

Diese Aussage muss in den Kontext der ersten gerückt werden. Larry definiert die Kosten der Umweltverschmutzung mit dem Verdienstausfall derjenigen, die an Umweltverschmutzung erkranken oder sterben. Wenn er sagt, die ersten Inkremente verursachen geringe Kosten, dann meint er: Umweltverschmutzung wird erst dann zu einem Problem, wenn jemand so viel davon abbekommen hat, dass er durch Krankheit oder Tod arbeitsunfähig wird. Der ideale Mensch ist für Larry einer, der so viel Giftmüll in seinen Körper eingelagert hat, dass er gerade so noch arbeitsfähig ist. Mit ineffizient unterverseuchten Gebieten meint er Regionen, in denen die Menschen noch nicht an diesem Punkt angelangt sind. Auch hier gilt wieder, dass die Vermeidung von Umweltverschmutzung für Larry keinen Gedanken wert ist. Das Ökosystem und die darin lebenden Menschen sind die Senken für den Dreck, den Larry und seine Freunde mit ihrem Lebenswandel produzieren. Larry fährt fort:

„“3) Die Nachfrage nach einer sauberen Umwelt aus ästhetischen und gesundheitlichen Gründen hat wahrscheinlich eine hohe Einkommenselastizität. Die Sorgen um ein Gift, das die Wahrscheinlichkeit von Prostatakrebs um eins zu einer Million erhöht, sind in einem Land, in dem die Leute alt genug werden um Prostatakrebs zu bekommen, deutlich größer als in einem Land, in dem 200 von Tausend Kindern das 5 Lebensjahr nicht erreichen. […]““

Die hohe Einkommenselastizität bedeutet übersetzt: Wer so wenig verdient, dass er sich täglich darum sorgen muss, wie seine Kinder genug zu essen bekommen, der hat für krankmachende Umweltverschmutzung keinen Kopf. Und wer sich nicht beschwert, den kann man auch verschmutzen. Nach dieser Logik sinkt der Wert von Menschen, je mehr man sie wirtschaftlich ausbeutet, weshalb man sie dann umso stärker ausbeuten kann. Doch Larry ist sich – wenn scheinbar nicht emotional, dann doch rational – bewusst, dass diese Sicht auf moralische Bedenken stößt:

„“Das Problem mit den Argumenten gegen all diese Vorschläge für mehr Verschmutzung in der dritten Welt (intrinsisches Recht auf bestimmte Güter, moralische Gründe, soziale Bedenken, Fehlen angemessener Märkte, etc.) ist, dass diese mehr oder weniger effektiv gegen sämtliche Vorschläge der Weltbank für mehr Liberalisierung verwendet werden können.”“

Dieser Schlusssatz des Memos ist in doppelter Hinsicht bemerkenswert. Zunächst ist da der Hinweis auf das Fehlen angemessener Märkte. Das bedeutet, Larry weiß, das Märkte versagen können und er weiß, dass sie es bei seinem Vorschlag auch tun werden. Es geht also bei der „Liberalisierung“ nicht darum, dass irgendetwas durch Märkte besser wird. Marktgläubigkeit ist nur die Ideologie, mit der eine auf westliche Eigeninteressen ausgerichtete neokoloniale Wirtschaftspolitik durchgesetzt wird. Weiterhin steckt in Larrys letztem Satz die Aussage, dass es gegen sämtliche Liberalisierungsmaßnahmen moralische, soziale und sogar wirtschaftliche Argumente gibt. Er weiß also, dass seine Vorschläge gemessen an anderen Maßstäben als seinem Eigeninteresse nicht zu rechtfertigen sind.

Bevor der geneigte Blogleser sich jetzt über die Larrys dieser Welt aufregt, muss er sich einer Sache bewusst sein. Unser Wohlstand ist nichts, das wir uns selbst hart erarbeitet haben, sondern unser Wohlstand ist das Ergebnis der Arbeit von Leuten wie Larry, die unermüdlich dafür sorgen, dass die von den hart arbeitenden 90% der Welt geschöpften Werte zu uns faulen und dicken 10% in der westlichen Welt fließen, die wir glauben, dass es unser natürliches Vorrecht wäre, Auto zu fahren, Wegwerfartikel zu konsumieren, Flugobst zu essen, die das Herumsitzen in einem Büro als „Arbeit“ bezeichnen und glauben, mit ein bisschen Mülltrennung die Welt zu verbessern. Larry und seine Freunde sorgen dafür, dass die Armen dieser Welt uns ihre Rohstoffe liefern, unsere Turnschuhe nähen und eine Mahlzeit am Tag weniger essen, damit wir unser Benzin mit Biokraftstoff verdünnen können. Solange wir Nutznießer von Larry sind, fehlt uns die Legitimation, sich moralisch über ihn zu echauffieren.

Ökonomische Ponerologie

Wir hatten uns vor einiger Zeit mit der Frage nach der Natur des Menschen und deren Wechselwirkungen mit unserem Wirtschaftssystem beschäftigt. Dabei sind wir zu dem Schluss gekommen, dass Entfremdung durch hohe Arbeitsteilung zu Ausbeutung, Trittbrettfahrerei und unfairem Wettbewerb führt. Tatsächlich ist diese Erkenntnis jedoch nur eine Komponente eines komplexen Wechselspiels verschiedenster Einflussfaktoren, die das zwischenmenschliche Zusammenspiel prägen.

Während Entfremdung besonders bei einfachen Menschen auftritt, die weit unten in der wirtschaftlichen Organisationshierarchie leben, muss es weiter oben Menschen geben, bei denen Fäden zusammenlaufen und deren Entfremdung dadurch abnimmt. Natürlich finden auch hier Formen der Entfremdung nach unten hin statt, welcher Manager begibt sich denn schon in die Werkshallen outgesourcter Produktionsstätten, um zu sehen, wie dort geschuftet wird. Trotzdem fließen dort mehr Informationen zusammen als dem normalen Arbeiter/Konsumenten zur Verfügung stehen und trotzdem werden Entscheidungen getroffen, die aus menschlich-moralischen Gesichtspunkten nicht nachvollziehbar sind.

Bei der Erklärung menschlicher Empathie über die Spiegelneuronen haben wir den Normalfall menschlichen Verhaltens beleuchtet. Normal bedeutet in diesem Sinne, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen diese Verhaltenskomponente vergleichsweise stark aufweist. Aber Menschen sind verschieden. So wie es große und kleine Menschen gibt, gibt es auch Menschen mit mehr oder weniger stark ausgeprägter Empathie. Und es gibt die Extremfälle ohne Empathie, die Psychopathen. Psychopathen zeigen keinerlei Mitgefühlt für irgendeinen Mitmenschen und richten ihr gesamten Verhalten nach der eigenen Bedürfnisbefriedigung aus. Gesellschaftliche Normen halten sie nur ein, wenn die Konsequenzen von Strafverhalten wie Gefängnisstrafen schwerer wiegen als der durch Strafverhalten erzielbare Nutzen.

Psychopathen zeigen neben der fehlenden Empathie weitere Abweichungen vom normalen Menschen. Sie wichten das Hier und Jetzt höher als die Zukunft, denn mit der Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, geht die Fähigkeit einher, sich in das zukünftige Ich zu versetzen. Beides fällt ihnen schwer. Psychopathen wissen, dass sie anders sind und halten sich gegenüber normalen „schwachen“ Menschen für überlegen. Sie haben gelernt durch Lügen, Spielen der Opferrolle oder anderen Kniffen normale Menschen zu manipulieren und bewerten sich selbst nicht nach moralischen Maßstäben, sondern nach der Fähigkeit, die Welt um sie herum zu ihren Gunsten zu manipulieren. In ihrem starken Gegenwartsbezug zeigen sie oft unkontrolliertes Genussmittelverhalten.

Evolutionär ist ein gewisser Anteil von Psychopathen nicht unplausibel. Einerseits sind Individuen, die sich auf Kosten anderer bereichern, gegenüber diesen im Vorteil. Andererseits sind Gruppen von Egoisten gegenüber Gruppen von Altruisten im Nachteil, da letztere durch gegenseitige Hilfe Risikostreuung betreiben. Es handelt sich also um ein Nashgleichgewicht, aus dem ein gewisser Prozentsatz an erfolgreichen Psychopathen hervorgeht, der jedoch klein genug ist, um das Überleben der Gruppe nicht zu gefährden.

Nun gilt diese Nichtgefährdung für die Steinzeit, die uns evolutionär geprägt hat. Durch extrem flache Hierarchien in kleinen Gruppen war der mögliche schädliche Einfluss von Psychopathen auf das Gesellschaftssystem extrem begrenzt. Aber wie ist das in organsierten Gesellschaften? Was kann ein Psychopath anrichten, der auf Befehl Millionenbeträge, tausende Arbeiter oder gar Soldaten in Bewegung setzen kann?

Mit dieser Frage hat sich Andrzei M. Lobaczewski in seinem Buch „Politische Ponerologie“ auseinandergesetzt. Lobaczewski stellt fest, dass Machtstrukturen Psychopathen magisch anziehen. Da Pychopathen sich über die Fähigkeit, ihre Umgebung zu ihren Gunsten zu manipulieren, definieren, und Macht nichts anderes ist als das Potenzial, die Umgebung zu beeinflussen, streben sie nach Machtpositionen. Darüber hinaus sind Psychopathen sowohl skrupellos, als auch hervorragende Manipulatoren, und schaffen es so, erfolgreich in Hierarchien aufzusteigen. Es ist nach Lobaczewski nur eine Frage der Zeit, bis in irgendeiner Organisation eine gewisse Anzahl höherer Posten durch Psychopathen besetzt ist. Für ihn ist das Versagen politischer Systeme keine Frage von Verfassungen oder zugrunde liegenden Wertesystemen, sondern eine Folge der Durchdringung von Machtsystemen durch Psychopathen.

Was bedeutet das für unser Wirtschaftssystem? Nach Lobaczewski müsste es unter Managern einen höheren Anteil von Psychopathen geben als unter der Gesamtbevölkerung. Diese müssten dort nicht aufgrund ihrer fachlichen, sondern aufgrund ihrer manipulativen Fähigkeiten sitzen. Robert Hare, einer der führenden Forscher auf dem Gebiet der Psychopathie, auf den diverse Tests zur Erkennung von Psychopathen zurückgehen, war 2010 Co-Autor einer Studie, die genau das untersucht hat. Der Anteil potentieller Psychopathen lag bei dieser Studie bei 1,2% in der normalen Bevölkerung, aber bei 5,9% unter Managern. Weiterhin stellte die Studie, die ebenfalls die fachliche Eignung der Manager untersuchte, fest, dass Psychopathen, wenn sie fachliche Minderleister sind, dies durch Auftreten und Verhalten mehr als kompensieren.

Nun gibt es nicht nur echte Psychopathen und normale Menschen, die alle lieb und fromm sind. Unter den Normalen gibt es sehr unterschiedlich stark ausgeprägtes moralisches Verhalten. Der Mechanismus, mit dem ein paar Prozent Psychopathen ein „pathologisches Kontrollsystem“ schaffen, mit dem sie eine „Pathokratie“ beherrschen, verläuft über eine zweite Reihe von Verhaltenspsychopathen, die normal geboren wurden, aber in ihrer Entwicklung psychopathische Züge übernommen haben. Werden normale Menschen lang genug einer psychopathischen Umgebung ausgesetzt, stumpft ein Teil von ihnen derart ab, dass sie psychopathisches Verhalten mit übernehmen. Dabei hängt der Anteil von Dauer und Intensität ab.

Haben wir also erst einmal ein Wirtschaftssystem, in denen das Verhalten der herrschenden Elite durch einen vergrößerten Teil von echten Psychopathen geprägt ist, so führt dass dazu, dass normale Menschen ebenfalls psychopathische Handlungsweisen übernehmen. Dies ist ein sich selbst verstärkender Prozess, denn durch Selbstauslese wird eine pathologische Hierarchie immer die bevorzugen, die sich entsprechend amoralisch Verhalten. Viele moralisch integre Menschen wählten den Ausstieg aus dem System, als sie vor dem Dilemma standen, ihre Position in der Hierarchie nur durch unmoralisches Auftreten halten zu können. Übrig blieben die pathologischen Fälle.

Tatsächlich sind Manager nicht die Spitze der wirtschaftlichen Elite. Sie sind die oberen 1%, die die Drecksarbeit für die oberen 0,1% machen. Während die oberen 0,1% ererbter Geldadel sind, in dem Psychopathen genauso selten oder häufig sind wie in der normalen Bevölkerung, stellen die oberen 1% ihre Handlanger dar. Die oberen 0,1% müssen nicht arbeiten, sie leben von Zinsen und Dividenden und bezahlen die oberen 1% dafür, zu managen und Verwaltung zu machen. Dort sammeln sich die Aufsteiger (aus der Mitte, nicht von ganz unten). Dort sorgt die Selbstauslese für eine Konzentration von Psychopathen. Dort werden Leute entlassen, betrügerische Geschäftsideen geboren und systematisch Kosten externalisiert. Der Psychopath als Geschäftsbetrüger ist nicht zufällig eine fast klischeehaft häufig vorkommende Figur. Selbst das FBI hat sich mit diesem Phänomen schon beschäftigt.

Wenn also Psychopathen unser Wirtschaftssystem prägen, wie macht sich dann psychopathisches Verhalten in der neoliberalen Ideologie bemerkbar? Wie beim Psychopathen, der die Gegenwart höher wichtet als die Zukunft, ist auch unser Wirtschaftssystem durch enges Schielen auf kurzfristige Gewinne ausgerichtet. Langfristige Investitionen oder gar generationsübergreifendes Denken sind ihm fremd. Wie der Psychopath auch pflegt unser Wirtschaftssystem einen parasitären Lebensstil. Es zehrt unsere Ökosysteme, arme Volkswirtschaften und die eigene Unterschicht aus. Und wie ein Psychopath bewertet unser Wirtschaftssystem nicht nach moralischen Kategorien, sondern nach Nutzen. Gut ist, was Gewinne bringt. Verpackt wird das in eine marktideologische Klausel, nach der Gewinne gut sind, weil sie vom Markt hervorgebracht wurden. Wer wissen möchte, ob sein Vorgesetzter ein Psychopath ist, kann dessen Verhalten mit den Checklisten von Hare oder Cleckley vergleichen.

An dieser Stelle könnte dieser Blogbeitrag aufhören, um die Erkenntnis, dass wir in einem psychopatischen Wirtschaftssystem leben, ein bisschen sacken zu lassen. Wir sind aber noch nicht ganz fertig, denn es gibt eine Querverbindung von Lobaczewski zu aktuellen Ereignissen.

Nicht nur wirtschaftliche, sondern gerade politische Systeme sind anfällig für die Pathologisierung durch Psychopathen. Längst ist jedem aufgefallen, dass Spitzenpolitiker lügen können ohne rot zu werden, ihre Meinung nicht nach einem moralischen, sondern einen machtpolitischen Kompass richten und hochtalentiert darin sind, Menschen so zu manipulieren, dass sie gewählt werden. Natürlich gibt es in der Politik jede Menge geborene und erworbene Psychopathen. Gefährlich wird es dann, wenn diese Menschen über Krieg und Frieden entscheiden.

1985 hat Lobaczewski, der sein Werk in Polen vor der Geheimpolizei verstecken musste, sein Manuskript an einen Exilpolen in den USA geschickt. Dieser versprach, einen Verleger zu finden. Leider war dieser Exilpole selbst Psychoapth, und hat das Manuskript daher verschwinden lassen. Erst der Fall des eisernen Vorhanges bot Lobaczewski die Möglichkeit, sein Werk zu veröffentlichen.

Besagter Exilpole, er heißt Zbigniew Brzezinski, hat ein paar Jahre später sein Meisterwerk veröffentlicht. Es heißt „The Grand Chessboard“ und zeigt mit psychopathischer Kühle, an welchen Ecken der Erde seine mächtige Wahlheimat USA Konflikte schüren und Kriege anzetteln muss, um die weltweite Nummer Eins zu bleiben. Brzezinski, der mittlerweile als wichtigster außenpolitscher Berater der USA seit Kissinger gehandelt wird, haben wir den Ukrainekonflikt zu verdanken. Aber das ist eine andere Geschichte.