Wachstumsmodellierung I

Wirtschaftswachstum, der Fetisch unserer Zeit, war schon des Öfteren Thema dieses Blogs, sowohl als physikalisches als auch als kulturelles Phänomen. Während klassische wirtschaftswissenschaftliche Wachstumstheorien nur ihrer selbst genügen, binden andere Ansätze die Wirtschaft in die globalen Stoff- und Energieflüsse ein. Die einen landen bei ewigem Wachstum, andere sagen dessen Ende voraus. Sehen wir uns die Modelle mal etwas genauer an.

Klassische Wachstumstheorien der Wirtschaft drehen sich um Kapital und Arbeit und haben ihre Wurzeln damit unverkennbar in einer marxistischen Weltbetrachtung, auch wenn dies wohl kein Neoliberaler gerne zugeben mag. Mit Kapital sind dabei alle Produktionsmittel vom Ackerboden über Fabrikhallen und Maschinen bis hin zu Fuhrpark und Verkaufsflächen gemeint. Alle diese Theorien gehen davon aus, das ein Mehr an Kapital bzw. ein Mehr an Arbeit zu einem größeren wirtschaftlichen Output führt. Ein Teil dieses Outputs kann nun genutzt werden, um das Kapital zu erhöhen. Im nächsten Jahr stünde so mehr Kapital zur Verfügung, womit noch mehr Output möglich wäre. Wenn man nur genügend reinvestiert, so die Schlussfolgerung, kann die Wirtschaft grenzenlos wachsen.

Nun haben Generationen von Ökonomen diesen banalen Zusammenhang in beliebig komplizierte mathematische Formeln gegossen, ohne jemals dessen Grundannahmen zu überprüfen. Der Wert von Kapital und Arbeit wird ja in Geldeinheiten gemessen. Das Geld bezieht seinen Wert aber erst dadurch, dass es durch Kapital oder Arbeit gedeckt ist. Nun kann man dieser zirkelschlüssigen Zwickmühle versuchen zu entkommen, indem man die Änderung des Geldwertes mit berücksichtigt. Allerdings setzt die dazu verwendete Methode – der Preisvergleich eines Warenkorbes – voraus, dass sich die physische Knappheit der Güter im Warenkorb nicht verändert, dieser soll ja schließlich als unveränderliche Bezugsgröße bei der Preisermittlung dienen. Klassische ökonomische Wachstumstheorien setzen also implizit voraus, dass sich die physische Realität der Welt nicht verändert, da sie sonst überhaupt nicht durch echte Daten überprüfbar sind.

Trotz dieser offenkundigen Unmöglichkeit, das Wachstumsmodell überhaupt mit echten Daten zu verifizieren, wurden Ökonomen nicht müde, es zu versuchen. Ändert sich die physische Realität hinreichend langsam, kann man diese guten Gewissens zumindest näherungsweise als starr annehmen. Gesagt, getan, offenbarte sich bald das nächste Problem. Allen Versuchen zum Trotz gelang es nicht, die auf bloßer Arbeit und Kapital beruhenden Modelle mit den realen Daten in Einklang zu bringen. Die reale Wirtschaft wuchs einfach viel zu schnell. Nun wissen wir bereits, dass Solow den technischen Fortschritt als Zauberfaktor in die Formel geschummelt hat. Dieser wird im Laufe der Zeit immer größer, und streckt so die von der Wachstumsformel beschriebene, eigentlich zu niedrige Linie so weit nach oben, dass sie die echten Wirtschaftsdaten trifft.

An dieser Stelle treten die Naturwissenschaftler und Ingenieure auf die Bühne. Technischer Fortschritt ist schließlich keine Zauberei, sondern ein solides Geschäft mit harten Grundlagen. Während drei Ökonomen zusammen meist fünf verschiedene Wirtschaftsprognosen abliefern, liefern telefonierende Handys, fliegende Flugzeuge und Live-Datenübertragungen in Radio, Fernsehen und Internet täglich den milliardenfachen Beweis, dass die technische Zunft ihr Metier versteht.

Ingenieure machen sich bei ihrer Arbeit grundlegende Naturgesetze zu Nutze. So wissen wir, dass es einen Energie- und einen Massenerhaltungssatz gibt. Beides kann nicht verschwinden oder aus dem Nichts entstehen. Also können diese Dinge bilanziert werden. Alle Energieflüsse (Elektrizität, Wärme, Bewegung, …) und alle Massenflüsse (Treibstoffe, Abgase, Kühlflüssigkeiten, …) müssen irgendwo herkommen und irgendwo hinfließen. So wird der Ingenieur zum Buchhalter physikalischer Größen, der erst bei einer ausgeglichenen Energie- und Massenbilanz weiß, dass er nichts vergessen hat.

Hätte Solow über so viel physikalisches Grundverständnis, wie im vorherigen Absatz vermittelt wurde, verfügt, so hätte er ein paar sehr wichtige Schlüsse ziehen können. Wenn Technik von den Flüssen von Energie und Materie abhängt, und diese nicht aus dem Nichts entstehen, dann muss es irgendwo „draußen“ Quellen von Energie und Materie geben, die unsere Technik und nach Solow damit auch unsere Wirtschaft speisen. Damit hängt unser Wachstum davon ab, wieviel Energie und Materie da „draußen“ noch zu holen ist.

Dennis Meadows war die richtige Mischung aus Ökonom und Naturwissenschaftler, die benötigt wurde, um all diese physischen Randbedingungen in ein Modell zu gießen. Er war Chemiker, aber auch Ökonom. Er arbeitete in seinem Leben an Fakultäten für Ingenieurwissenschaften, Management und Sozialwissenschaften. 1972 leitete er ein Team, das mit seiner Studie für Furore sorgte. Dieses Team machte sich auf, „draußen“ zu modellieren, und eine Wirtschaft in dieses „draußen“ einzubetten.

„Draußen“ ist nicht unendlich groß. Die Energie- und Werkstoffe liefernden Rohstoffe sind begrenzt (so gilt der Mittelmeerraum nur deshalb heute als an Bodenschätzen arme Region, weil viele Erze schon im Altertum durch griechischen und römischen Bergbau erschöpft wurden). Ebenso ist die Fähigkeit von „draußen“, unsere Abfälle aufzunehmen, begrenzt. Schließlich muss (Massenerhaltung!) alles, was wir aus der Erde kratzen oder von ihrer Oberfläche pflücken, eines Tages wieder als Müll irgendwo „draußen“ hingekippt werden.

Meadows Modell war viel komplizierter als die simplen Gleichungen mit denen sich Ökonomen bis dahin zufrieden gegeben haben. Es beinhaltete so viele Größen und Wechselwirkungen, dass es nur mit einem Computer – 1972 noch nicht selbstverständlich – ausgewertet werden konnte. Dieses Weltmodell „World3“ ist ein Modell, das die neben der Wirtschaft alle wesentlichen Größen von „draußen“ in einer Simulation zusammenfasst.

Limits to Growth - Gesamte Modellübersicht

Meadows und sein Team ließen das Modell viele Male durchrechnen. Jedesmal trafen sie dabei andere Annahmen. Eines dieser Durchläufe nannten sie das Standardszenario. Dieses ist die Prognose für die Zukunft für den Fall, dass die Menschheit nichts an ihrem Verhalten ändert. Ein anderes war das stabile-Welt-Szenario. Es war das Szenario für den Fall, dass (wohlgemerkt ab 1972) die Menschheit die richtigen Weichen für eine nachhaltige Zukunft stellt. Seitdem ist viel Zeit vergangen. Leider entsprechen die letzten Jahrzehnte dem Standardszenario. Die reale Entwicklung liegt dermaßen dicht an Meadows‘ Prognose, dass man vor ihm und seinem Team den Doktorhut ziehen muss. Korrekte Prognosen sind der Goldstandard der Wissenschaft. Wie beschämend ist im Vergleich dazu Solows lächerlicher Zauberfaktor, für den er 15 Jahre später den Wirtschaftspseudonobelpreis bekam.

Vergleich zwischen World3-Prognose und realer Entwicklung

Betrachtet man sich Meadows Standardszenario, dem wir seit über 40 Jahren unermüdlich folgen, genauer, so sollte uns diese Entwicklung langsam Sorge bereiten. Nicht wegen der bald sinkenden pro-Kopf-Verfügbarkeit an industriellen Output (grau) Dienstleistungen (orange) und Nahrung (lila).

Limits to Growth - Prognose Standardszenario

Nein, Sorge sollte uns das Jahr 2050 bereiten. In dieser Zeit, die unsere Kinder und Enkel alle noch erleben werden, bricht trotz steigender Geburtenrate (dunkelbraun) die menschliche Population zusammen (hellbraun). Wenn die natürlichen Reichtümer dieser Welt nicht mehr reichen, um zivilisatorische Mindeststandards in Nahrung, Hygiene, Sicherheit und Gesundheit aufrechtzuerhalten, dann wird die explodierende Sterberate (schwarz) uns in eine Zeit zurückwerfen, in der Frauen fünf oder sechs Kinder gebären mussten, damit wenigstens ein oder zwei davon alt genug werden, um ihr Enkel zu schenken. Mit etwas Glück kollabiert unser Wirtschaftssystem, bevor es soweit ist.

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Larrys Welt

Letztes Mal hatten wir uns mit psychopathischem Verhalten beschäftigt und festgestellt dass alle Machtstrukturen, also auch die wirtschaftlichen, Psychopathen magisch anziehen und diese dort in erhöhter Konzentration vertreten sind. Georg hatte daraufhin einen schönen Kommentar mit dem Link zu Larry Summers geleaktem Memo gepostet. Dieses ist nicht nur in dem Kontext einer Menschenverachtenden Weltsicht interessant, sondern bietet auch ein Musterbeispiel dafür, wie unter dem Deckmantel der Entwicklungshilfe und ökonomischer Scheinargumente eiskalt wirtschaftliche Interessen durchgesetzt werden.

Zunächst die Einleitung des Memos, von Larry geschrieben in seiner damaligen Funktion als Chefökonom der Weltbank, in deutscher Übersetzung:

„“Schmutzige Industrien‘: Nur so zwischen euch und mir, sollte die Weltbank nicht die Umsiedelung von schmutzigen Industrien in die dritte Welt fördern? Mir fallen dazu drei Gründe ein:““

Das Memo ist mittlerweile fast ein viertel Jahrhundert alt. Damals war Umweltverschmutzung durch ungefilterte Abwässer, Stäube und Abgase in den Industrienationen noch ein ernsthaftes Problem, während viele heute industrialisierte Schwellenländer damals kaum Industrie besaßen. Larry arbeitete bei der Weltbank. Diese Organisation gibt sich vordergründig als Entwicklungshilfeorganisation, mit dem offiziellen Ziel, die extreme Armut in der Welt zu beenden.

Die Weltbank, so sozial sie sich auch gibt, ist in Instrument der wirtschaftlichen Machtausübung. Zwar rühmt sich die Weltbank, derzeit 188 Mitglieder zu haben, doch sind diese nicht alle gleichberechtigt. Zum Zeitpunkt von Larrys Memo besaßen die USA und ihre wichtigsten Verbündeten (UKUSA, damalige NATO und Japan) bereits über 50% der Stimmanteile in der Weltbank. Es handelt sich hier also um eine Organisation, in der die sog. „Erste Welt“ umfassende Macht hat und diese nutzt, um weltweit wirtschaftliche Machtpolitik zu betreiben und ihre Interessen durchzusetzen.

Eine Teilorganisation der Weltbank ist die IFC, die International Finance Corporation. Hier die Selbstbeschreibung:

„“Wir bieten Investitionen, Beratung und Vermögensverwaltung. Unsere Dienstleistungen ermöglichen es uns, privaten Investoren dabei zu helfen, Geschäftsfelder zu erschließen – unsere Investitionen und Beratungsdienste können entsprechend der kundenspezifischen Bedürfnisse maßgeschneidert werden, um so Wertschöpfung zu generieren. Unser Fähigkeit, weitere Investoren anzuziehen, bringt zusätzliche Vorteile und hilft unseren Kunden bei der Kapitalakquise und verbessert ihre Geschäftsstrategien.““

Hier versteckt sich also eine weitere Aufgabe der Weltbank. Sie ist ein Dienstleister der Privatindustrie und hilft als Büttel der Konzerne, weltweit Ressourcen und Dienste zu privatisieren. Es bedarf schon einer gehörigen Portion neoliberaler Ideologie oder aber Ignoranz, um keinen Widerspruch zwischen der Bekämpfung der Armut und der Förderung von Neokolonialismus im Auftrag westlicher Konzerne zu sehen.

Allein Larrys Vorschlag, mehr Verschmutzung in die Dritte Welt zu migrieren, zeigt zugunsten welchen Ziels Larry diesen Widerspruch auflöst. Wie begründet er seinen Vorschlag?

„“1) Die Messung der Kosten von gesundheitsschädlicher Umweltverschmutzung hängen von den Verdienstausfällen durch erhöhte Krankheits- und Todesfälle ab. Von diesem Blickpunkt aus sollte eine gegebene Menge von gesundheitsschädlicher Umweltverschmutzung in dem Land mit den geringsten Kosten auftreten, welches das Land mit den geringsten Löhnen wäre. […]““

An dieser Stelle wird eine Reihe von Dingen offensichtlich. Zunächst kümmert sich Larry, wie vermutet, nicht um das Wohl der Ärmsten in der Welt, sondern ist daran interessiert, Wege zu finden, wie er den Giftmüll der ersten Welt (also seinen Giftmüll vor seiner Haustür) in die dritte Welt bekommt (also weg). Weiterhin verwendet er Scheinlogik, um diese Interessen durchzusetzen.

Er setzt die Kosten für Umweltverschmutzung mit den Verdienstausfällen durch Krankheit und Tod gleich. Dies ist neoliberale Selbstlegitimierung vom feinsten. Wir haben ja schon des Öfteren thematisiert, dass der Glaube, Preise spiegeln Wertschöpfung wider, Teil der neoliberalen Wirtschaftstheologie ist und dass es genügend Wege gibt, sein monetäres Einkommen auch ohne eigene Wertschöpfung zu maximieren. Setzt man aber monetäres Einkommen mit Wertschöpfung gleich, so stilisieren sich die Gewinner des Systems zu den wertschöpfenden Helden, den Leistungsträgern, während die Verlierer des Systems, die Armen und Ausgebeuteten, zu Minderleistern abgestempelt werden. Larry sagt im Prinzip, wenn durch Umweltverschmutzung ein paar Arme sterben, dann ist das nicht so schlimm, weil die ja eh nix leisten, sonst würden sie schließlich mehr verdienen.

Auf die Idee, die Kosten für Umweltverschmutzung mit dem anzusetzen, was es kostet, die Verschmutzung zu vermeiden bzw. wegzuräumen, was einer sauberen Einpreisung von Externalitäten entspräche, kommt er natürlich nicht. Diese Kosten wären wahrscheinlich überall auf der Welt gleich groß, womit es keinen Grund mehr gäbe, Schmutz und Giftmüll von Larrys Haustür in die dritte Welt zu exportieren. Er führt weiter aus:

„“2) Die Kosten der Verschmutzung sind wahrscheinlich nichtlinear, da die ersten Inkremente der Verschmutzung wahrscheinlich wenig Kosten verursachen. Ich habe schon immer gedacht, dass die unterbevölkerten Länder Afrikas wahnsinnig unterverschmutzt sind. Deren Luftverschmutzung ist wahrscheinlich unglaublich ineffizient niedrig verglichen mit Los Angeles oder Mexico City. […]““

Diese Aussage muss in den Kontext der ersten gerückt werden. Larry definiert die Kosten der Umweltverschmutzung mit dem Verdienstausfall derjenigen, die an Umweltverschmutzung erkranken oder sterben. Wenn er sagt, die ersten Inkremente verursachen geringe Kosten, dann meint er: Umweltverschmutzung wird erst dann zu einem Problem, wenn jemand so viel davon abbekommen hat, dass er durch Krankheit oder Tod arbeitsunfähig wird. Der ideale Mensch ist für Larry einer, der so viel Giftmüll in seinen Körper eingelagert hat, dass er gerade so noch arbeitsfähig ist. Mit ineffizient unterverseuchten Gebieten meint er Regionen, in denen die Menschen noch nicht an diesem Punkt angelangt sind. Auch hier gilt wieder, dass die Vermeidung von Umweltverschmutzung für Larry keinen Gedanken wert ist. Das Ökosystem und die darin lebenden Menschen sind die Senken für den Dreck, den Larry und seine Freunde mit ihrem Lebenswandel produzieren. Larry fährt fort:

„“3) Die Nachfrage nach einer sauberen Umwelt aus ästhetischen und gesundheitlichen Gründen hat wahrscheinlich eine hohe Einkommenselastizität. Die Sorgen um ein Gift, das die Wahrscheinlichkeit von Prostatakrebs um eins zu einer Million erhöht, sind in einem Land, in dem die Leute alt genug werden um Prostatakrebs zu bekommen, deutlich größer als in einem Land, in dem 200 von Tausend Kindern das 5 Lebensjahr nicht erreichen. […]““

Die hohe Einkommenselastizität bedeutet übersetzt: Wer so wenig verdient, dass er sich täglich darum sorgen muss, wie seine Kinder genug zu essen bekommen, der hat für krankmachende Umweltverschmutzung keinen Kopf. Und wer sich nicht beschwert, den kann man auch verschmutzen. Nach dieser Logik sinkt der Wert von Menschen, je mehr man sie wirtschaftlich ausbeutet, weshalb man sie dann umso stärker ausbeuten kann. Doch Larry ist sich – wenn scheinbar nicht emotional, dann doch rational – bewusst, dass diese Sicht auf moralische Bedenken stößt:

„“Das Problem mit den Argumenten gegen all diese Vorschläge für mehr Verschmutzung in der dritten Welt (intrinsisches Recht auf bestimmte Güter, moralische Gründe, soziale Bedenken, Fehlen angemessener Märkte, etc.) ist, dass diese mehr oder weniger effektiv gegen sämtliche Vorschläge der Weltbank für mehr Liberalisierung verwendet werden können.”“

Dieser Schlusssatz des Memos ist in doppelter Hinsicht bemerkenswert. Zunächst ist da der Hinweis auf das Fehlen angemessener Märkte. Das bedeutet, Larry weiß, das Märkte versagen können und er weiß, dass sie es bei seinem Vorschlag auch tun werden. Es geht also bei der „Liberalisierung“ nicht darum, dass irgendetwas durch Märkte besser wird. Marktgläubigkeit ist nur die Ideologie, mit der eine auf westliche Eigeninteressen ausgerichtete neokoloniale Wirtschaftspolitik durchgesetzt wird. Weiterhin steckt in Larrys letztem Satz die Aussage, dass es gegen sämtliche Liberalisierungsmaßnahmen moralische, soziale und sogar wirtschaftliche Argumente gibt. Er weiß also, dass seine Vorschläge gemessen an anderen Maßstäben als seinem Eigeninteresse nicht zu rechtfertigen sind.

Bevor der geneigte Blogleser sich jetzt über die Larrys dieser Welt aufregt, muss er sich einer Sache bewusst sein. Unser Wohlstand ist nichts, das wir uns selbst hart erarbeitet haben, sondern unser Wohlstand ist das Ergebnis der Arbeit von Leuten wie Larry, die unermüdlich dafür sorgen, dass die von den hart arbeitenden 90% der Welt geschöpften Werte zu uns faulen und dicken 10% in der westlichen Welt fließen, die wir glauben, dass es unser natürliches Vorrecht wäre, Auto zu fahren, Wegwerfartikel zu konsumieren, Flugobst zu essen, die das Herumsitzen in einem Büro als „Arbeit“ bezeichnen und glauben, mit ein bisschen Mülltrennung die Welt zu verbessern. Larry und seine Freunde sorgen dafür, dass die Armen dieser Welt uns ihre Rohstoffe liefern, unsere Turnschuhe nähen und eine Mahlzeit am Tag weniger essen, damit wir unser Benzin mit Biokraftstoff verdünnen können. Solange wir Nutznießer von Larry sind, fehlt uns die Legitimation, sich moralisch über ihn zu echauffieren.