Geldsystem simulieren II

Wir haben letztes mal ein Modell für eine Volkswirtschaft erstellt, welche wir simulieren wollen, um zu sehen, welche Auswirkungen die Art und Weise, in der Geld geschöpft wird auf unsere Wirtschaft hat. Wir werden heute unser Modell in den PC füttern und ein paar Simulationsdurchgänge laufen lassen. Wir werden dazu die großartige Simulationssoftware „Excel“ benutzen. Alle teuren Softwaretools, die es für Simulationen gibt, sind im Wesentlichen teure Benutzeroberflächen, die bunte Bilder erzeugen und intern Dinge berechnen, die sich auch in Excel berechnen lassen. Jedes Simulationsmodell ist so gut wie die mathematischen Gleichungen, die ihm hinterliegen. In welcher Software die Berechnung stattfindet, ist egal.

Wir haben letztes mal gesehen, wie Geldflüsse und Kontostände einer gegenseitigen Abhängigkeit unterliegen. Diese ist recht einfach in eine Excel-Tabelle zu überführen. Jedes Zeitintervall der Berechnung wird dabei zu einer Zeile in der Tabelle. Alle Konten und Geldflüsse werden zu je einer Spalte in der Tabelle.

(Anmerkung für Spielkinder: Nach diesem Prinzip lässt sich so ziemlich alles simulieren. Wer z.B. Schaltkreise simulieren will, setzt in die linken Spalten Zustandsgrößen wie Spannungen an Kondensatoren und Ströme an Spulen und in die rechten Spalten die resultierenden Ströme und Spannungen.)

Abhängigkeit-Kontostand-Ausgaben-Tabelle

Die Geldflüsse folgen den Ausgabestrategien, die wir uns letztes mal überlegt haben. Ich habe das ganze mal vorbereitet. Diese Exceltabelle kann sich jeder runterladen und ein bisschen damit spielen, Parameter verändern und sehen was passiert.

Wir starten unsere Simulation für eine Simulationszeitraum von 36 Tagen. Dies ist die Voreinstellung der Exceltabelle. Die Simualtion wird in 1800 Schritten durchgeführt. Jeder Simulationsschritt (Spalte W) entspricht 0,02 Tagen, so dass alle Schritte zusammen 36 Tage ergeben. Wir sehen, dass die Giralgeldmenge anfangs sehr schnell steigt. Die Frage ist, wie sich dies über einen längeren Zeitraum entwickelt.

Geldmenge36

Daher werden wir unsere Simulation über zwei Jahre, also rund 720 Tage, laufen lassen. Dazu einfach im Feld W4 in der Tabelle den Wert auf 0,4 setzen. Wir sehen, dass die Giralgeldmenge immer weiter zunimmt bis sie ihr Maximum erreicht hat und dann stabil bleibt.

Geldmenge720

Damit sehen wir, wieviel Geld im Umlauf ist, nicht aber, wie es verteilt ist. Betrachten wir die drei Kontostände von Bankenkasse, Arbeitern und Unternehmen, dann sehen wir einen erstaunlich geringen Anteil von Geld, das bei der Bank in der Kasse liegt.

Kontostand720

Ebenso interessant sind die Geldflüsse. Die Kreditzinsen, die Unternehmen aufzubringen haben sind sehr gering z.B. gegenüber den Lohnkosten.

Geldfluss720

Wir sehen also erst einmal, dass ein Giralgeldsystem nicht inhärent instabil ist, wie oft behauptet wird. Es ist nicht so, dass aufgrund einer Zinsspirale ein ständiges Wachstum notwendig wäre um die Zinsen zu bedienen. Das bedeutet nicht, dass es nicht andere Faktoren gibt, die in unserem Wirtschaftssystem zu Wachstum zwingen. Das bedeutet auch nicht, dass die Giralgeldschöpfung durch Privatbanken ein sinnvolles und demokratisch legitimiertes Geschäftsmodell ist. Aber die oft getätigte Behauptung, ein Geldsystem, das auf verzinstem Schuldgeld beruhe, würde ohne Wachstum kollabieren, kann erst einmal nicht bestätigt werden. Es zeigt sich in der Simulation sogar, dass ein ausgewogenes Schuldgeldsystem erstaunlich geringe volkswirtschaftliche Kosten verursacht, was nicht bedeutet, dass dies in der Realität auch der Fall ist.

Wo liegt der Denkfehler? In der verbreiteten Argumentation wird immer die vorhandene Geldmenge den Schulden gegenübergestellt, für die Schulden werden die Schuld des Kreditbetrages und die Zinsen addiert. Hier liegt der Fehler. Während der Kreditbetrag letztendlich eine Größe ist, die den Zustand eines Kontos beschreibt (Einheit Euro), ist die Zinszahlung ein Geldfluss, der die Änderung eines Zustandes beschreibt (Einheit Euro/Zeit). Es werden also zwei Größen addiert, die man nicht addieren darf, weil die Einheiten nicht gleich sind. Somit entsteht eine Fantasiegröße, die Gesamtschuld genannt wird und mit der sich trefflich Leute beeindrucken lassen, nur dass diese Fantasiegröße über gar keine irgendwie geartete Aussagekraft verfügt.

Auch wenn wir die Ursache unseres Wachstumsfetisches an dieser Stelle noch nicht gefunden haben, so können wir das Geldsystem als alleiniges Übel zumindest ausschließen. Weiterhin sehen wir, und dass ist vielleicht noch wichtiger, dass man mit einfachen Hausmitteln Zusammenhänge simulieren kann, über die auch von Fachleuten auf oft unterirdischem Niveau diskutiert wird. Nächstes Mal werden wir unsere kleine Volkswirtschaft ein bisschen modifizieren, um zu sehen, wie sie sich vielleicht doch aus dem Gleichgewicht bringen lässt.

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2 Gedanken zu “Geldsystem simulieren II

  1. Na da bin ich aber mal gespannt, was im weiteren Verlauf dieser Simulation geschieht.

    Ich finde es merkwürdig, dass ein verzinstes Geldsystem (also ein exponentielles System) im Einklang mit einem endlichen Planeten und daher maximal für eine gewisse Zeit möglichem linearen Wachstum stehen soll.

    Wie – wenn nicht durch ständiges Wachstum – sollen denn die Zinsen auf die Kredite (durch die Geld erst entseht) erwirtschaftet werden?
    Die Zinsen werden nunmal im Zuge des Kredites (also der Geldschöpfung) NICHT mitgeschöpft!
    Sie müssen also irgendwo anders herkommen.

    Es gibt selbstverständlich noch weitere „Treiber“ des ständigen Wachstumswahns, z.B. das Konkurrenzdenken, doch es muss definitiv etwas vordergründig systemisches geben, und ich denke, dass es im Geldsystem verankert ist.

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  2. Hallo deedl!
    Ich denke,dass das gesamte ineinander greifende System, sehr schwer zu durchschauen ist.Deshalb würde ich vielleicht eine Modellierung des Ganzen vorschlagen.
    1.Die Geldmenge ist eine begrenzte Größe.Somit ist das ganze Geldsystem ein abgeschlossenes System.
    2.Wenn nun durch Zinsen,welcher Art auch immer hin und her und her und hin ein Gewinn bei den Banken entsteht,dann muss das Geld irgendwo fehlen.d.h. wenn das fortgesetzt wird,kommt es zu einem Mangel auf Seiten der Nutzer.Die Nutzer können nun am System nicht mehr teilnehmen,denn das Geld hat sich bei den Banken angesammelt.Das System kommt zum Stillstand.
    Es gibt nun zwei Möglichkeiten,wie es weiterlaufen kann.
    a) Die Banken verschenken das durch Zinsen angesammelte Geld und führen es wieder dem System zu. – Warum aber sollten sie das tun,denn dann wäre ihr Geschäftsergebnis gleich null.Dann bliebe das System geschlossen.
    b) Die Banken schöpfen (drucken) das Zinsgeld nach.Dann könnten die Gewinne bei den Banken bleiben und das System kann weiterlaufen.Es ist aber dann kein abgeschlossenen System mehr.
    Ich denke das ist das,was wir in der Praxis erleben.So habe ich auch Patricks Kommentar verstanden.
    Der Malachit.

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