Die Geldmacher

Obwohl wir täglich mit Geld hantieren, ist es erstaunlich wie wenig bekannt ist, woher dieses Geld eigentlich kommt. Die meisten Menschen denken, unser Geld käme von den Zentalbanken, Geld wäre Geld und die Banken verleihen Geld weiter, dass sie sich selbst geliehen hätten. Alle drei Dinge sind nur teilweise richtig.

Zunächst werden wir sehen, das Geld nicht gleich Geld ist. Wir unterschieden zwischen Bargeld und Giralgeld. Bargeld ist das einzige „echte“ Geld. Es ist ein gesetzliches Zahlungsmittel, was bedeutet, dass wenn jemand seine Schulden bar begleichen möchte, das Bargeld akzeptiert werden muss. Giralgeld oder auch Buchgeld ist das Geld, welches wir auf dem Konto haben. Tatsächlich hat die Bank ja nicht die Menge Geld im Tresor, die wir auf dem Konto haben. Aber mit dem Giralgeld auf unserem Konto haben wir Anspruch darauf, dass die Bank uns „echtes“ Bargeld auszahlt, wenn wir dies wünschen. Ein Kontostand ist im eigentlichen Sinne also nicht Geld, sondern Anspruch auf Geld. Man darf als Gläubiger Giralgeldzahlungen (z.B. EC-Kartenzahlung) ablehnen, es ist kein gesetzliches Zahlungsmittel. Nun erfüllt Giralgeld aber alle Eigenschaften eines Zahlungsmittels. Wir kaufen täglich mit der EC-Karte ein und bezahlen mit Giralgeld.

Es gibt also zwei Arten von Geld, Bargeld und Giralgeld. Beide erfüllen ihren Zweck als Zahlungsmittel, aber nur Bargeld ist „echtes“ Geld im rechtlichen Sinne. Dieser feine Unterschied ist erst dann von Bedeutung, wenn man sich ansieht, woher das Geld kommt. Bargeld darf nur im Auftrag der Zentralbanken gedruckt werden. Die Herstellung von Bargeld durch andere stellt zu Recht einen Straftatbestand dar. Giralgeld hingegen darf durch die Zentralbanken und durch jede andere Bank geschöpft werden. Jede einzelne Bank darf selbst Giralgeld erzeugen. Der überwiegende Teil des Geldes in unserer Welt stammt nicht von Zentralbanken, sondern wurde von privaten Banken erschaffen. Der Mechanismus dafür nennt sich Bilanzverlängerung.

Die Idee hinter der Bilanzverlängerung ist, dass zusätzliche Bilanzposten, die sich gegenseitig aufheben, die Gesamtbilanz nicht verändern. Nehmen wir an, eine Bank besitzt 100 Euro Geld im Tresor und ein Eigenheimbesitzer besitzt ein Haus im Wert von 1000 Euro. Die Bank besitzt Güter im Wert von insgesamt 100 Euro.

Posten Wert
Bargeld 100
Gesamt 100

Der Hausbesitzer besitzt Güter mit einem Wert von insgesamt 1000 Euro.

Posten Wert
Haus 1000
Gesamt 1000

Wenn jetzt der Hausbesitzer einen Kredit aufnimmt, dann muss er dafür als Sicherheit sein Haus verpfänden. Dadurch verlängert sich seine Bilanz um mehrere Posten, ohne dass sich der Gesamtwert seiner Güter ändert. Er besitzt nun zusätzliches Giralgeld im Wert von 1000 Euro, muss diesen Wert aber vom Wert des Hauses abziehen, weil er sein Haus an die Bank als Sicherheit verpfändet hat.

Posten Wert
Haus 1000
Hypothek -1000
Giralgeld 1000
Gesamt 1000

Die Bank hingegen hat das Haus als Pfand gewonnen, muss dem Kunden aber bei Bedarf Bargeld im Wert von 1000 Euro auszahlen.

Posten Wert
Bargeld 100
Haus 1000
Auszahlungsanspruch des Kunden -1000
Gesamt 100

Auch wenn buchhalterisch alles in Ordnung ist, weil bei der Kreditvergabe die Gesamtwerte unverändert bleiben, ist hier schon der erste Haken zu sehen: Der Kunde hat Anspruch auf die Auszahlung von 1000 Euro Bargeld, weil Giralgeld ein Anspruch auf richtiges Geld, nämlich Bargeld, ist. Die Bank hat aber nur 100 Euro Bargeld, das heißt sie hat dem Kunden ein Versprechen gegeben, dass sie nicht halten kann. Würde der Kunde sein Geld abheben wollen, wäre die Bank insolvent. Dies ist völlig legal und alle Banken wären insolvent, würden die Kunden ihr Geld abheben.

Damit sehen wir den Mechanismus, mit denen private Banken neues Geld schaffen. Kreditnehmer bringen Sachwerte als Sicherheit zur Bank. Die Banken versprechen dem Kunden Ansprüche auf Bargeld, in der Hoffnung, dass diese nie eingelöst werden. Das Geschäftsmodell ist genial, man verleiht Geld, das man eigentlich nicht hat und verdient sich an den Zinsen dumm und dämlich.

Wer an dieser Stelle noch nicht glauben mag, dass Banken Geld schöpfen, kann dies in diversen öffentlichen Dokumenten der Bundesbank nachgelesen werden, wie diesem hier, dass auch für Normalbürger verständlich ist.

Dort steht, dass Buch- bzw. Giralgeld eigentlich kein echtes Geld ist, sondern ein Anspruch auf Bargeld: „„Im Unterschied zu Banknoten und Münzen ist das Buchgeld kein gesetzliches Zahlungsmittel. Dennoch wird es im Wirtschaftsleben allgemein akzeptiert. Dies beruht insbesondere darauf, dass das Buchgeld jederzeit wieder in Bargeld umgewandelt werden kann.““

Ferner ist dort zu lesen, dass die Giralgeldschöpfung durch einen Buchungstrick bei der Kreditvergabe erfolgt: „„In der Regel gewährt die Geschäftsbank einem Kunden einen Kredit und schreibt ihm den entsprechenden Betrag auf dessen Girokonto als Sichteinlage gut. Wird einem Kunden ein Kredit über 1.000 Euro gewährt (z. B. Laufzeit 5 Jahre, 5 % p.a.), erhöht sich die Sichteinlage des Kunden auf seinem Girokonto um 1.000 Euro. Es ist Buchgeld entstanden oder es wurden 1.000 Euro Buchgeld geschaffen: Die Buchgeldschöpfung ist also ein Buchungsvorgang.““

Schließlich ist dort auch geschrieben, dass Banken mehr Geld verleihen dürfen, als sie besitzen: „“Das Eurosystem kann die Geschäftsbanken verpflichten, eine Mindestreserve zu halten. Berechnet wird die Mindestreserve für jede Geschäftsbank aus der Höhe bestimmter Sicht-, Termin- und Spareinlagen, die Nichtbanken bei ihr auf Konten unterhalten. Das Eurosystem kann den „Mindestreservesatz“ verändern. Beträgt er beispielsweise zwei Prozent, bedeutet dies: Belaufen sich die Einlagen bei einer Geschäftsbank auf insgesamt 100 Millionen Euro, muss sie zwei Millionen Euro als Mindestreserve halten – und zwar in Zentralbankgeld.““

Das bedeutet, unsere Banken haben ein todsicheres Geschäftsmodell. Sie holen sich z.B. eine Million Euro zum Leitzinssatz (derzeit 0,5%) bei der Zentralbank, schöpfen damit legal 50 Millionen Euro Buchgeld und verleihen dieses zu 5% an Kunden weiter. Die Zinskosten pro Jahr belaufen sich damit auf 5.000 Euro, die Zinseinnahmen hingegen auf 2.500.000 Euro, also dem 500-fachen.

Dass dies ein Supergeschäft ist, beschreibt auch die Bundesbank: „“Wenn eine Geschäftsbank einen Kredit gewährt, kann sie diesen in einem ersten Schritt dadurch finanzieren, dass sie – wie oben beschrieben – den entsprechenden Betrag an Buchgeld selbst schafft. […]Der Kreditnehmer muss für den Kredit über die gesamte Laufzeit Zinsen zahlen, aber für die Sichteinlage, die die Geschäftsbank dem Kunden auf dessen Girokonto gutschreibt, vergütet sie üblicherweise keinen oder nur einen sehr geringen Zins. Auch kann die Geschäftsbank den Ankauf eines Vermögenswerts durch Gutschrift des Kaufbetrags auf dem Konto des Verkäufers bezahlen. Sie ist dann Eigentümerin des Vermögenswerts. Das kann beispielsweise eine Immobilie sein, die sie selbst nutzt oder die laufend Mietertrag abwirft. Bezahlt („finanziert“) hat sie diese Immobilie mit selbstgeschaffenem Buchgeld, das sie dem Verkäufer als Sichteinlage gutschreibt““

Natürlich würde die Bundesbank aber niemals zugeben, dass ihre Bankerkollegen sich an der Geldschöpfung dumm und dämlich verdienen. Daher zieht sie einen angeblichen Haken an den Haaren herbei, um zu zeigen, wie schlecht das Geschäft für die armen Banken läuft: „“Allerdings nimmt diese Betrachtung nur den ersten Schritt in einem längeren Prozess in den Blick. Denn typischerweise wird der Kunde die Sichteinlage, die er sich über die Kreditaufnahme beschafft hat, nutzen, um sich etwas zu kaufen. Häufig läuft das darauf hinaus, dass der Kunde sein Guthaben an den Kunden einer anderen Bank überweist. Anknüpfend an das obige Beispiel überweist Kunde 1 die 1.000 Euro auf ein Girokonto von Kunde 2 bei der B-Bank. Für die Kredit gebende A-Bank bedeutet dies, dass die Sichteinlage des Kunden, das selbstgeschaffene Buchgeld, abfließt – und dass sie den Kredit nun „refinanzieren“ muss.““ Danach ergeht sich das Dokument in Refinanzierungskleinkram.

Diese Argumentation führt am Problem vorbei. Man kann die Geldflüsse der Wirtschaft in vier Kategorien einteilen. Die Erste sind Transaktionen, die die Zentralbank involvieren. Die Zentralbank macht ausschließlich Geschäfte mit Banken, so dass ausschließlich der Bankensektor an die günstigen Zentralbankkredite kommt. Das Zweite ist der Interbankenmarkt, das sind Geschäfte der Banken untereinander. Hier spielt sich der Refinanzierungskleinkram bei Giralgeldüberweisunegn ab. Das Dritte ist die Interaktion zwischen Banken und der Realwirtschaft. Praktisch das gesamte Giralgeld, das die Realwirtschaft benutzt, wurde in Form von Krediten bei den Banken geschöpft und wird von der Realwirtschaft den Banken geschuldet. Schließlich gibt es noch Finanztransaktionen in der Realwirtschaft untereinander. Diese sind der eigentliche Grund, wozu wir überhaupt Geld brauchen. Geld hat ja schließlich den Zweck den Austausch von Produkten und Dienstleistungen in der Realwirtschaft zu vereinfachen.

Geldflüsse

Betrachtet man den Bankensektor als Gesamtheit, so sieht man, dass die Bankindustrie ein todsicheres Geschäftsmodell hat, weil die Versorgung der Realwirtschaft mit Giralgeld ausschließlich über sie läuft. Diese Tatsache wird in der netten Bundesbankbroschüre geschickt übergangen, indem argumentiert wird, dass einzelne Banken auf dem Interbankenmarkt geschäftliche Risiken eingehen. Jedoch ist hier im Interbankenmarkt der Verlust einer Bank der Gewinn der jeweils anderen Bank. Die unfaire Abhängigkeit der Realwirtschaft vom Bankensektor insgesamt wird dadurch in keiner Weise beeinträchtigt.

Gleiches gilt für die Mindestreserve. Jede einzelne Bank darf mehr selbstgeschöpfte Kredite vergeben, also Auszahlungsansprüche auf Bargeld, vergeben, als sie tatsächlich an Bargeld besitzt. Zwar kann sich eine einzelne Bank theoretisch das fehlende Bargeld auf dem Interbankenmarkt besorgen, alle Banken zusammen vergeben aber trotzdem mehr Auszahlungsversprechen als echtes Geld vorhanden ist.

Es ist wichtig den Unterschied der Betrachtung zwischen einer einzelnen Bank und des gesamten Bankensektors vorzunehmen, da die berechtigte Kritik am Geldschöpfungssystem immer nur durch Betrachtungen einzelner Banken gekontert wird. Eine systemische Rechtfertigung der Geldschöpfung durch Privatbaken existiert nicht. Dies liegt nicht zuletzt an der schlichten Tatsache, dass die private Bankenindustrie durch eigene Geldschöpfung die gesamte Realwirtschaft systematisch über den Tisch zieht.

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