Geplante Obsoleszenz

Jeder kennt die Geschichten aus der guten alten Zeit, als Produkte noch was taugten. Früher hielten Waschmaschinen 25 Jahre, heute nur noch 5. Omas Bratpfanne hält ein Menschenleben, meine nur 2 Jahre. Viele Konsumenten haben einen subjektiven Eindruck, dass Produkte heute oft nicht die Qualität und Langlebigkeit haben, die sie früher hatten. Leider ist dies war.

In Zeiten knapper Ressourcen und teurer Energie und Arbeit, also in der meisten Zeit des menschlichen Daseins, wurden Produkte in der bestmöglichen Qualität und Lebensdauer hergestellt. Schließlich musste der Aufwand, das Produkt zu erzeugen, in einen größtmöglichen Nutzen münden. Mit der Industrialisierung kam das Dilemma. Produkte konnten so effizient und in so großen Mengen gefertigt werden, dass es möglich war, Märkte zu sättigen. Dies resultierte in einem Nachfrageeinbruch. Wenn jeder eine langlebige Waschmaschine hat, braucht niemand mehr eine zu kaufen. Eigentlich eine positive Situation. Der Lebensstandard ist gesichert, zukünftig muss die Volkswirtschaft weniger Aufwand betreiben, um die Versorgung mit Waschkapazität sicher zu stellen.

An dieser Stelle kommt ein Dilemma unseres Wirtschaftsystems zum tragen, dem wir immer wieder begegnen werden. Volkswirtschaftlich sinnvoll ist es, möglichst viel Wohlstand zu produzieren, also den volkswirtschaftlichen Kuchen möglichst groß zu machen. Unser persönliches Kuchenstück hängt jedoch nicht von der Gesamtgröße des Kuchens ab, sondern davon, wieviel Geld wir persönlich scheffeln, mit dem wir uns unser Kuchenstück kaufen. Das Anreizsystem unserer Wirtschaft liegt also nicht auf der Wertschöpfung, sondern auf der Geldabschöpfung.

Was hat das mit der kaputtgehenden Waschmaschine zu tun? Waschmaschinen zu designen, die nach einer gewünschten Lebensdauer kaputtgehen, ist eine künstliche Begrenzung der Größe des volkswirtschaftlichen Kuchens. Indem der Kunde gezwungen wird, regelmäßig eine Waschmaschine (eine Glühbirne, einen Drucker, einen Mixer etc.) zu kaufen, wird ein permanenter Geldfluss in Richtung des Waschmaschinenproduzenten sichergestellt, der damit sein Kuchenstück sichert.

Das Begrenzen der Lebensdauer eines Produktes nennt man geplante Obsoleszenz, also das geplante Veralten, Kaputtgehen oder Überflüssigwerden. Es ist tief in der Konsumgüterentwicklung verankert, aber natürlich wird das niemand offen zugeben. So gibt es hier einen Artikel der NZZ, der versucht, geplante Obsoleszenz als Märchen hinzustellen. Dabei ist der Autor schlicht zu blind, das Offensichtliche zu sehen.

So wird zum Thema Obsoleszenz von Glühbirnen ausgerechnet ein Mitarbeiter von Osram befragt, der noch zum Zeitpunkt des Interviews für dieses Unternehmen als „Berater“ tätig war. Der wird ja wohl nicht in den Medien sagen, dass sein Geldgeber die Kunden hinters Licht führt. Osram hat übrigens 1921 die „Internationale Glühlampen Preisvereinigung gegründet“, um mit anderen Herstellern die Preise abzusprechen. Osram war auch bei der 1924 gegründeten „S. A. Phoebus, Compagnie industrielle pour le développement de l’éclairage“ beteiligt. Ziel dieser Vereinigung war es, die Verkaufszahlen von 1922 aufrecht zu erhalten. Damit dies geschah, wurde die Lebensdauer von Glühbirnen auf 1000 Stunden begrenzt. Diese Begrenzung wurde 1953 durch ein US-Gericht verboten. Osram ist also kein Interviewpartner, der eine ehrliche Antwort zu diesem Thema geben wird. Übrigens vertickert Osram immer noch Glühbirnen mit den 1000 Stunden Lebensdauer von 1922. Ich frage mich was deren Entwicklungsabteilung die letzten 90 Jahre gemacht hat. Achja, sie waren damit beschäftigt, immer präziser dafür zu sorgen, dass die Glühbirnen keine Stunde zu lange halten. Nur zehn Stunden Abweichung bedeuten schließlich schon 1% Umsatzeinbruch.

Am Ende des Artikels wird beschrieben, wie kompliziert der Produktentwicklungsprozess ist, damit der Leser ein gutes Bild von den hart arbeitenden Entwicklern hat. Die Beschreibung beginnt mit: „Entsprechend gehen die Hersteller bei der Konstruktion eines komplexen Geräts vor. Sie bestimmen zunächst die geplante Gebrauchsdauer […]“. Genau das ist geplante Obsoleszenz. Ich designe ein Produkt danach, dass es nach einer bestimmten Zeit kaputt geht. Das Planen einer Gebrauchsdauer ist der geplante Tod eines Produktes. Technisch kann man extrem langlebige Produkte herstellen. So gibt es in den USA, wo das Glühbirnenkartell ja gesetzlich zerschlagen wurde, Glühbirnen mit 20.000 Stunden Lebensdauer.

Obsoleszenz kann nicht nur durch fehlende Funktionsfähigkeit hervorgerufen werden, sondern auch durch Design. So hatte General Motors in den 20ern und 30ern Probleme, gegen die damals qualitativ höherwertigen Autos von Ford zu konkurrieren. Also entwickelten sie die Idee, regelmäßig die Karosserie ihrer Autos neu zu designen, damit alle anderen Autos alt aussehen. In diesem Artikel wird General Motors Manager zitiert, der selbst zugibt, dass es früher so gemacht wurde und das GM dieser Strategie jetzt wieder verfolgen möchte.

Auch der Textilmarkt könnte ohne Designobsoleszenz nicht bestehen. Der europäische Markt für Kleidung ist gesättigt, alle Schränke in allen Schlafzimmern quellen förmlich über. Es muss jedes Jahr ein neuer Modetrend erfunden werden, damit die alten Klamotten auch alt aussehen. Daher müssen sich jährlich z.B. die Modefarben so ändern, dass sie schlecht mit den Käufen aus dem Vorjahr kombiniert werden können (z.B. warme und kalte Farben wechseln). Dabei sind Farbtrends noch viel umfassender.

So treffen sich regelmäßig in der Color Marketing Group Farbhersteller, Textilunternehmen und alle anderen, die mit Autolacken, Inneneinrichtung oder sonstwelchen Anwendungen von Farben zu tun haben, regelmäßig, um die Farbtrends von Morgen festzulegen. Auf ihrer Homepage heißt es dazu: „Our mission is to create color forecast information for professionals who design and market color.“ Dazu muss man wissen, dass das englische Wort für „vorhersagen“ einfach nur „to forecast“ ist. Die Formulierung „create forecast“ ist einzigartig und zeigt ganz deutlich, dass hier Trends kreiert werden. Farbtrends werden zentral geplant, damit die Hersteller schon lange im Voraus ihr Design entwickeln können, damit „zufällig“ gleichzeitig Autos, Kleidung und Möbel in der neuen Trendfarbe auf den Markt kommen.

Die Folgen für unser Wirtschaftssystem sind gravierend. Geplante Obsoleszenz führt zu einer Verringerung des Wohlstandes, weil Ressourcen nicht bestmöglich genutzt werden, sondern bewusst für die Müllhalde produziert wird. Arbeitnehmer werden durch geplante Obsoleszenz in zweifacher Hinsicht zur Mehrarbeit gezwungen. Erstens müssen die ganzen Güter, die weggeworfen werden, auch produziert werden, so dass geplante Obsoleszenz zu einem volkswirtschaftlichen Mehraufwand an Arbeit führt. Zweitens müssen Arbeitnehmer genügend Geld erarbeiten, um die ganzen Güter regelmäßig neu zu kaufen, wenn die alten kaputt gehen.

Wir könnten also ohne geplante Obsoleszenz den gleichen Wohlstand bei weniger Arbeit haben. Dies ist ein wichtiger Beitrag in der Debatte um die 30-Stunden-Woche. Die Art und Weise, wie in unserem Wirtschaftssystem Konsumgüter designt werden, führt zu einem Mehraufwand ohne dass dafür der Lebensstandard steigt.

Geplante Obsoleszenz ist auch ein ganz klares Beispiel für Marktversagen. Der ideale Markt ist der Theorie nach transparent, d.h. jeder hat alle Informationen über alle Produkte. Dies ist in der Realität jedoch nicht gegeben. Kaum ein Hersteller gibt die geplante Lebensdauer seiner Produkte an. Schließlich sieht man anhand der geplanten Obsoleszenz auch, dass das BSP ein schlechter Wohlstandsindikator ist. Geht meine Waschmaschine kaputt und ich kaufe mir eine neue, so ist meine Lebensqualität unverändert. Das BSP steigt aber in diesem Fall, weil für die Waschmaschine Geld geflossen ist.

Es gibt sogar einige Befürworter der geplanten Obsoleszenz. Diese kommen natürlich aus den Kreisen derer, die von den kurzen Produktzyklen profitieren, weil sie irgendwo in der „Wert“-schöpfungskette zwischen Entwicklung, Herstellung, Marketing und Verkauf leben. Das Argument ist immer das gleiche. Wenn es dem Hersteller besser geht, wenn er das macht, dann müssen es einfach nur alle machen, dann geht es allen besser. Tatsächlich geht es dem Hersteller nur auf Kosten der Allgemeinheit besser. Moralisch ist es also auf dem gleichen Level wie Schwarzfahren anzusehen, man verschafft sich einen Vorteil auf Kosten anderer. Je mehr Hersteller von geplanter Obsoleszenz Gebrauch machen, desto mehr sinkt der Gesamtwohlstand. Andere Befürworter, wie der Erfinder des Begriffes, der sich 1932 Gedanken machte, wie man die Wirtschaftskrise beenden kann, argumentieren über die Maximierung der Beschäftigung. Wie wir im letzten Blogbeitrag gesehen haben, ist eine einseitige Maximierung auf Vollbeschäftigung nicht im Sinne des Bürgers. Außerdem ist ja volkswirtschaftlich möglichst viel Output mit möglichst wenig Input gewollt. Geplante Obsoleszenz verringert den Output und erhöht den Input. Im Wesentlichen betrachten die Befürworter Vorteile für einzelne Wirtschaftsakteure und ignorieren dabei immer die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, in der die Nachteile zwangsläufig auftauchen.

Es gibt eine einfache politische Lösung, zumindest für technische Geräte das Problem zu beheben. Im Moment gibt es eine Pflichtgarantie über zwei Jahre. Es ist technisch kein Problem, Haushaltsgroßgeräte, Küchenmaschinen und Unterhaltungselektronik herzustellen, die 10, 20 oder 30 Jahre halten. Schon eine Verlängerung der Pflichtgarantie auf z.B. 10 Jahre würde zu einem nachhaltigeren Wirtschaften mit größerem Wohlstandsgewinn führen. Natürlich könnte man diese Grenze häppchenweise verschieben, damit so aprupte Änderungen nicht zu allzu großen Verwerfungen führen.

Es gibt aber auch Lösungen von unten. So können Konsumenten gezielt nach Produkten mit zeitloserem Design suchen, um sich von schnelllebigen Trends unabhängig zu machen. Wer technisch etwas versierter ist, kann schon beim Kauf darauf achten, ob z.B. Gerätegehäuse ohne Spezialwerkzeug geöffnet werden kann. Auch das Internet biete gute Möglichkeiten, um sich vor dem Kauf eines Produktes über dessen Lebensdauer zu informieren oder um z.B. auf www.ifixit.com zu schauen, wie man Produkte reparieren kann.

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30-Stunden-Woche

Jüngst forderten über 100 Politiker und Wissenschaftler die Einführung der 30-Stunden-Woche in einem offen Brief. An dieser Stelle empfehle ich jedem, den Brief und die Liste der Unterzeichner selbst zu lesen. Interessant dabei ist, dass die überwiegende Mehrheit der Unterzeichner Professoren der Wirtschaftswissenschaften sind. Solche Leute werden nicht für utopische Ideen ihre akademische Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzen. Es lohnt sich also, jenseits der unterirdischen Debatte in den Medien, die auf rein ideologischer Basis geführt wird, einen wirtschaftwissenschaftlichen Blick auf die Thematik zu werfen.

PQ-Arbeitsmarkt

Zunächst ist es erst einmal eine Tatsache, dass die Anzahl der Arbeitsplätze an das Lohnniveau gekoppelt ist. Dies drückt der Ökonom in einem Preis-Mengen-Diagramm mit der Nachfrage-Kurve aus. Je höher der Preis, desto weniger international agierende Unternehmen stellen deutsche Arbeitnehmer ein. Daher steigt die nachgefragte Menge an Arbeitskräften mit dem sinkenden Preis. Die Angebotskurve drückt das Gegenteil aus. Das Angebot an Arbeitskräften steigt mit steigendem Preis. Je höher die Löhne sind, desto mehr Menschen drängen auf den Arbeitsmarkt. Es stellt sich in Marktgleichgewicht ein, bei der eine bestimmte Menge Q zum Marktpreis P gehandelt wird. Die dadurch erwirtschaftete Kaufkraft ist die Fläche k=P*Q.

Ziel einer guten Volkswirtschaft sollte sein, dem Bürger möglichst viel Wohlstand zu verschaffen. Das bedeutet, die Fläche k sollte möglichst groß sein. Je größer k, desto mehr Wohlstand bleibt in Deutschland in den Taschen des Bürgers hängen. Wie wirkt sich Arbeitsmarktpolitik nun auf den Wohlstand aus? Arbeitsmarktpolitik verändert die Angebotskurve. Sie macht Arbeitskraft vergleichsweise billiger oder teurer und verschiebt so die Angebotskurve nach oben oder unten. Damit verschieben sich auch das Marktgleichgewicht und die im Land erwirtschaftete Kaufkraft.

PQ-Arbeitsmarktpolitiken

In diesem Beispiel haben wir jetzt drei verschiedene Angebotskurven. Die größte Kaufkraft wird in diesem Beispiel mit der Angebotskurve 2 erwirtschaftet. Obwohl für Angebotskurve 3 die nachgefragte Menge größer ist, also eine größere Zahl an Personen beschäftigt wird, ist die Fläche Q3*P3 kleiner als die Fläche Q2*P2. Das bedeutet, obwohl in Beispiel 3 mehr Menschen beschäftigt sind, kommt insgesamt weniger Kaufkraft beim Bürger an. Es kann also nicht pauschal behauptet werden, dass eine Arbeitsmarktpolitik, die Vollbeschäftigung anstrebt, den größtmöglichen Wohlstand generiert. Das Gegenbeispiel ist nun der Vergleich der Beispiel 1 und 2. Im Beispiel 1 sind die Löhne höher als in Beispiel zwei, aber die Beschäftigung ist geringer. Insgesamt ist die Fläche P1*Q1 kleiner als die Fläche P2*Q2. Es wird insgesamt also weniger Kaufkraft geschöpft, obwohl die Löhne höher sind. Es ist also ebenfalls nicht möglich, pauschal zu behaupten, höhere Löhne sind per se besser.

Jetzt habe ich zugegebenermaßen den Bürger mit dem Arbeitnehmer gleichgesetzt, so dass ich schon den Aufschrei höre, dass Arbeitgeber ja auch Bürger seien. Es gibt Branchen, die haben internationale Konkurrenten, und solche, die haben keine. Es wird z.B. niemand zum Frisör nach Griechenland fahren, nur weil der billiger ist. Die Unternehmen, die Arbeit ins Ausland auslagern können sind international agierende Konzerne. Deren Gewinne bleiben nicht in Deutschland, sondern verschwinden in den internationalen Finanzströmen um dann irgendwo auf der Welt an irgendeinen Investor ausgezahlt zu werden. Und wie soll der Frisör die höheren Löhne bezahlen? Der Frisör ist daran interessiert eine möglichst kaufkräftige Kundschaft zu haben. Für ihn werden höhere Löhne dadurch kompensiert, dass seine Kunden mehr Geld in der Tasche haben und er die Mehrkosten problemlos an diese weitergeben kann.

Wenn man der Debatte in Politik und Medien folgt, so wird die falsche Frage diskutiert. Die erste Frage, die zu klären ist, ist nämlich nicht, ob Löhne oder Arbeitszeiten rauf- oder runterzusetzen sind, sondern die Frage, ob sich Deutschland in den Punkten 1, 2 oder 3 befindet. Wenn das geklärt ist, ist die zu schlussfolgernde Maßnahme daraus abzuleiten. Sind wir in Punkt 1, müssen die Löhne runter. Sind wir in Punkt 2, kann alles bleiben wie es ist. Sind wir in Punkt 3, müssen die Löhne rauf. Leider wird die Frage nach der Bewertung des Ist-Zustandes nicht wissenschaftlich, sonder ideologisch geklärt. Die Linkspartei sieht Deutschland in Punkt 3, die FDP sieht Deutschland in Punkt 1. Beide verweigern sich einer realistischen Analyse.

Ebenfalls zu bedauern ist die Rolle von Teilen der Wirtschaftswissenschaften an dieser Stelle. Anstatt das Marktmodell mit realen Daten zu füttern, um eben genau festzustellen, wo wir stehen, ergehen sich viele Wirtschafts-„Wissenschaftler“ in monokausalen Theorien. Sie argumentieren oft genauso einseitig wie die ideologiegetriebenen Parteien. Und natürlich gilt gerade in der Wirtschaft „wess‘ Brot ich ess‘, dess‘ Lied ich sing“, so dass sich immer genügend Leute finden lassen, die ihren wissenschaftlichen Namen gegen Bares zur Verfügung stellen, um die Interessen der finanzstarken Marktakteure mit ein bisschen pseudowissenschaftlichen Geblubber zu untermauern. Dadurch wird die Debatte immer sehr stark von internationalen Großkonzernen bestimmt, deren Interessen diametreal zu den der deutschen Wirtschaftspolitik stehen. Während nämlich die internationalen Konzerne möglichst viel Kaufkraft aus ihren Standorten abziehen müssen, um diese an die Aktionäre auszuschütten, möchte der Bürger, dass möglichst viel Kaufkraft für ihn im Land bleibt. Was passiert mit Wirtschaftswissenschaftlern, die realistische Analysen betreiben? Wie es scheint, schreiben diese offen Briefe, für die sie dann in die linke Ecke gestellt werden.

Wie viele Stunden müssen wir denn nun arbeiten? Der theoretische Ansatz dazu ist: Stelle die Nachfragekurve auf. Finde dann das Marktgleichgewicht mit der größten Kaufkraftabschöpfung. Teile die dazugehörige Menge durch die Anzahl der möglichen Arbeitnehmer. Fertig ist die maximale Wochenarbeitszeit. Dieser Ansatz sichert, dass jeder gleichmäßigen Zugang zum Arbeitsmarkt hat. Scheinbar haben Leute so etwas getan und kommen auf 30 Stunden.

Jede Abweichung von diesem Ansatz führt zwangsläufig zu massiven Verteilungsproblemen. So führen zu geringe Löhne dazu, dass es breite Schichten gibt, die trotz Vollzeitarbeit an der Armutsgrenze leben. Dies ist in Deutschland zu beobachten und ein starkes Indiz dafür, dass wir uns in Punkt 3 befinden. Zu hohe Löhne führen dazu, dass es wenige sehr gut bezahlte Arbeitskräfte gibt, während große Teile der Bevölkerung keinen Zugang zum Arbeitsmarkt haben. Dies war bzw. ist in Südeuropa teilweise der Fall, wo es einerseits hochprivilegierte Arbeitnehmer gibt, andererseits aber eine hohe Jugendarbeitslosigkeit. Dies ist also ein Indiz, dass sich die eine oder andere Südeuropäische Volkswirtschaft in Punkt 3 befindet.

Der historische Trend zeigt übrigens ganz klar nach unten. Im 19. Jahrhundert lag die Wochenarbeitszeit bei über 80 Stunden. Seitdem ist sie bis kurz vor dem zweiten Weltkrieg auf 42 Stunden gesunken. Während des Wiederaufbaus ging man auf 50 Stunden hoch, um dann im Laufe der Zeit bis 35 Stunden zu sinken. Seit kurzem gibt es eine Trendumkehr, welche sehr stark mit der Ausbreitung neoliberaler Ideologien in Politik und Gesellschaft korreliert. Ein Schelm, der böses dabei denkt.
Zeigt der zukünftige Trend auch nach unten? In den letzten 200 Jahren haben wir ein historisch Beispielloses Wirtschaftswachstum gesehen. Jedes Jahr wurden mehr Rohstoffe zu Fertigwaren verarbeitet als im Jahr davor. Durch immer effizientere Produktionsverfahren konnte ein einzelner Arbeitnehmer immer größere Mengen von Energie und Rohstoffe zu Waren umwandeln. Jedoch sind die Ressourcen auf unserem Planeten endlich, das Wirtschaftswachstum muss zwangsläufig eines Tages zum erliegen kommen. Es werden dann einfach nicht mehr genügend große Mengen an Energie und Rohstoffen da sein, damit alle Menschen den ganzen Tag beschäftigt sind. Schon vor eine halben Jahrhundert wurde für das Jahr 2000 die 20-Stunden-Woche vorhergesagt. Der Ressourcenmangel wird uns vielleicht eines Tages dazu zwingen.